Mai 19

AT&T: Was Discovery-Deal & Dividendenkürzung für Aktionäre bedeueten 😲

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What’s the Deal, Bro(s)?

Anfang der Woche hat AT&T bekanntgegeben, dass es seine TimeWarner Assets mit dem Medienkonzern Discovery zusammenführen und damit ein neues Unternehmen kreieren möchte. Daraufhin hat der Aktienkurs beider Unternehmen zunächst einen Sprung nach oben gemacht, nur um Stunden später scharf ins Minus zu drehen. Also erst mal der Reihe nach.

So sieht der Deal aus

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Die Grafik hier beschreibt, wie die Umstrukturierung aussehen soll. Es wird ein neues Medienunternehmen entstehen. Darin wird Discovery voll aufgehen. Zusätzlich werden (fast) alle WarnerMedia Assets von AT&T in das Unternehmen eingebracht werden.

Gleichzeitig wird WarnerMedia 43 Mrd. USD Schulden mitbringen und so den regelrechten Schuldenberg seiner aktuellen Muttergesellschaft um ein Stück reduzieren.

29% des neuen Unternehmens sollen am Ende den aktuellen Discovery-Aktionären gehören. Die restlichen 71% werden an AT&T-Aktionäre gehen.

Zum Zeitpunkt des Schreibens ist noch nicht völlig klar, ob die neuen Aktien den AT&T-Aktionären einfach eingebucht werden, oder ob es einen alternativen Modus zur Aktienverteilung geben wird. Trotzdem gehen wir im Rest des Artikels davon aus, dass ersteres der Fall sein wird.

Die Sicht der Discovery-Aktionäre

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Zunächst einmal bedeutet der oben beschriebene Deal, dass Discovery-Aktionäre ihn erst noch per Abstimmung beschließen müssen bevor er umgesetzt wird.

Sollte er dann durchgezogen werden, werden Discovery-Anteilseigner und Management Zugriff auf die WarnerMedia Assets erhalten, die unter anderem den vor kurzem gestarteten Streaming-Dienst HBO Max enthalten. Grundsätzlich scheint das eine sinnvolle Sache zu sein. Denn, um im heiß umkämpften Streaming-Geschäft gegen Größen wie Netflix, Disney oder Amazon bestehen zu können, ist Größe wichtig.

Die neue Größe ist es auch, die – zumindest laut Schätzungen der Pressemeldung – Synergieeffekte in Höhe von 3 Mrd. $ jährlich ergeben soll. Dadurch wäre das Unternehmen sowohl in Content-Sicht, wie auch in finanzieller Sicht gut aufgestellt.

Als Wermutstropfen sind aber sicherlich die 43 Mrd. USD übernommenen Schulden anzusehen, die zusammen mit den Discovery Fremdmitteln dann knapp an die 60 Mrd. USD heranreichen. Eine Belastung, die laut dem Vorschlag erst mal über 2 Jahre hinweg abgebaut werden soll. Das heißt dann implizit aber auch, dass das neue Unternehmen a) nicht aus dem Vollen schöpfen kann, wenn es um Investitionen in neue Inhalte geht und b) vermutlich auch keine Ausschüttungen vornehmen wird.

Neuausrichtung für AT&T

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Den Schritt, WarnerMedia auszulagern, kann man getrost als strategische Neuausrichtung für AT&T bezeichnen. Das Telekommunikationsunternehmen hat unter dem ehemaligen CEO Randall Stephenson einige größere Übernahmen im Medienbereich getätigt, unter anderem DirecTV und WarnerMedia.

Diese Übernahmen wurden teils heftig kritisiert, weil sie sehr teuer waren und mit dem Kerngeschäft nur bedingt etwas zu tun haben.

John Stankey – seit Mitte 2020 CEO – hat nun eine strategische Kehrtwende hingelegt und schon wenige Monate nach Antritt die Abstoßung beider Mediengeschäfte bekanntgegeben.

Damit konzentriert sich AT&T fortan wieder auf sein Kerngeschäft, die Telekommunikation, und wird dort auch bei den Investitionen in 5G seine Kräfte konzentrieren.

Auch wenn AT&T einen Teil seiner Schulden an das neue Unternehmen abgegeben kann, so bleibt unterm Strich doch eine sehr durchwachsene Bilanz, sowohl im Hinblick auf die vergangenen Akquisitionen, als auch rein finanziell gesehen…

Die Dividendenkürzung kam nicht gut an

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Hier im Bild ist der Kursverlauf der AT&T-Aktie zu sehen. Wir erkennen nach Ankündigung der Umstrukturierung einen Ausschlag nach oben, nur um dann deutlich tiefer abzusacken.

Die Tatsache der Umstrukturierung wurde also erst positiv aufgenommen, weil der Plan ja durchaus Sinn ergibt. Im Laufe des Tages haben aber mehr und mehr Marktteilnehmer die Meldung bis zum Ende gelesen und dort heißt es dann:

“Attractive dividend –resized to account for the distribution of WarnerMedia to AT&T shareholders. After close and subject to AT&T Board approval, AT&T expects an annual dividend payout ratio of 40% to 43% on anticipated free cash flow1of $20 billion plus.”

Aktuell schüttet das Unternehmen etwa 15 MRD USD jährlich oder ca. 65% seines Free Cashflows aus. Gut 40% von 20 Mrd. USD entsprechen noch 8,3 Mrd. USD, also ein ganzes Stück weniger.

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Anhand der kurzen Berechnung hier im Bild, erkennen wir den Einfluss des Gesamtdeals auf die Dividendenrendite.

Wenn man für Discovery einen Wert von 22 Mrd. USD annimmt und dieser 29% des neuen Unternehmens entspricht, dann entfällt auf die AT&T-Aktionäre (71%) ein Wert von knapp 54 Mrd. USD.

Runtergebrochen auf die Basis einer Aktie entspricht das einem Wert von 7,50 $. Bei einem aktuellen Kurs von 30 $ würde also ein Wert von etwa 22,50 $ je Aktie für das verbleibende Kerngeschäft von AT&T verbleiben. 8,3 Mrd. USD Dividende verteilt auf alle Aktien mit diesem Wert würde dann eine Dividende von 1,16 $ je Aktie oder 5,2 % Dividendenrendite bedeuten.

Dieser Wert ist auch nach Abzug des neuen Unternehmens also noch deutlich geringer als die bisherigen 7% Dividendenrendite. Würde der Markt diese für AT&T fordern, so müsste der Kurs der “Kernaktie” auf 16,58 $ fallen. Wenn andere ebenfalls diese Überlegung angestellt haben, wundert es uns auch nicht mehr, dass der Kurs nach der ersten Euphorie erst mal auf Talfahrt ging.

Was heißt das nun für AT&T-Aktionäre

Nach der Ankündigung dieser Umwälzungen stellt sich natürlich die Frage, wie man als Aktionär am besten damit umgeht. Im Folgenden daher kurz meine persönliche Einschätzung dazu:

  • Wenn du AT&T als Langfristinvestment betrachtest, dann ändert sich nichts für dich. Eine an und für sich unternehmerisch logische Neuausrichtung sollte langfristig wertschaffend sein und somit deiner Gesamtrendite förderlich sein, auch wenn weniger Dividende bezahlt wird.
  • Wenn für dich AT&T kein Langfristinvestment ist und die Aktie nur opportunistisch kaufst und zu höheren Kursen eigentlich wieder verkaufen wolltest, während du in der Zwischenzeit ordentlich Dividende kassierst, dann torpediert die Dividendenkürzung natürlich die Renditeaussicht dieser Strategie. Für diesen Fall scheint ein Ausstieg sinnvoll.

Ich persönlich zähle mich eher zu der zweiten Kategorie und möchte mit dem Unternehmen langfristig nichts zu tun haben, daher ist für mich der Ausstieg hier gekommen.

Wie ist deine Strategie zu AT&T nach Bekanntgabe der Umstrukturierung? Ändert sich für dich etwas? Schreib’ es gerne in die Kommentare.

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Disclaimer: Zum Zeitpunkt des Schreibens besitzt der Autor noch Aktie und andere Wertpapiere, die von einer Kurssteigerung der hier besprochenen AT&T-Aktie profitieren. Alles Geschriebene ist daher subjektiv behaftet und kann lediglich als persönliche Meinung, niemals jedoch als Handelsempfehlung interpretiert werden. Jeder handelt auf eigenes Risiko.


Tags

Aktienanalyse, AT&T, Discovery, Dividende, Umstrukturierung


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