Juli 1

Diese 5 (B├Ârsen-) psychologischen Effekte musst du kennen ­čś▓

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Wenn H├Âhlenmenschen investieren…

b├Ârsenpsychologische Effekte der Urzeit

Es ist heute weithin bekannt, dass die Evolution des Menschen – insbesondere auch seines Gehirns – viel zu langsam abl├Ąuft. Zumindest wenn man den Anspruch hat, an seine Lebensrealit├Ąt m├Âglichst gut angepasst zu sein. Und so kommt es, dass wir auf viele Situationen unseres modernen Lebens mit einer Psyche reagieren, die auf eine pr├Ąhistorische Realit├Ąt angepasst ist.

Und das trifft uns in fast allen Lebensbereichen. Jeder der sich fragt, weshalb die Strandfigur dieses Jahr schon wieder nicht so ganz gehalten hat, der hat wohl vorsichtshalber hier und da einen Bissen mehr genommen – Man wei├č ja nie, wann es wieder etwas zu essen gibt… ­čśë

Selbstverst├Ąndlich begegnet uns unser Steinzeitgehirn auch dann, wenn wir m├Âglichst rationale Entscheidungen an der B├Ârse treffen m├Âchten und dann doch wieder irgendwie suboptimal handeln. ├ťber dieses Thema B├Ârsenpsychologie hat Michael Seibold (Medicus der Finanzen) mit mir auf YouTube diskutiert. Hier findest du die Aufzeichnung.

Im Folgenden sind die 5 wichtigsten b├Ârsenpsychologischen Effekte f├╝r dich nochmal zusammengefasst. Wenn du diese kennst, wirst du deutlich besser investieren.

#1 Verlustaversion

Wir Menschen hassen es einfach, etwas zu verlieren, das wir vorher schon einmal besessen haben. Dieser Schmerz des Verlusts ist um einiges gr├Â├čer als die Freude dar├╝ber, etwas zu gewinnen, das wir vorher nicht hatten. Nun ist diese Verlustaversion durchaus sinnvoll, wenn es um die Beute in der pr├Ąhistorischen Welt geht: Sie sichert unser ├ťberleben und das unserer Liebsten. Auf der anderen Seite w├╝rde ihr Verlust ein extrem hohes Risiko bedeuten, denn wir m├╝ssten erneut raus in die Wildnis und uns mit wilden Tieren messen – potenziell t├Âdlich.

An der B├Ârse bedeutet ein verlorener Euro aber nicht, dass wir uns in physische Gefahr begeben m├╝ssen. Es ist und bleibt ein Euro – egal, ob wir ihn nun verlieren oder einen neuen hinzugewinnen. Trotzdem schmerzt uns der Verlust mehr, als uns sein Gewinn freut. Das f├╝hrt dazu, dass insbesondere deutsche H├Âhlenmenschengehirne oft zu defensiv anlegen und mit dem Sparbuch lieber das Verlustrisiko vermeiden, wenngleich auch sie die Gewinnchance der B├Ârse in den Wind schlagen – Selbst wenn der Anlagehorizont lang und das wahrscheinlichste Ergebnis an der B├Ârse deutlich besser w├Ąre.

Das psychologische Ph├Ąnomen der Verlustaversion ist es auch, welches uns immer wieder Gedanken in den Kopf treibt, die so oder so ├Ąhnlich aussehen: „Lieber verkaufe ich jetzt mit Verlust, bevor es noch weiter f├Ąllt.“ Die richtige Frage sollte nat├╝rlich lauten „Welche Entwicklung erwarte ich von hier aus?“. Psychologisch pr├Ąferieren wir aber den ersten und verkaufen dann oft genau zu den billigsten Zeitpunkten, genau dann, wenn die Chancen nach oben viel h├Âher sind, als die Risiken nach unten…

#2 Sunk Cost Effect

Wachstumskurs Diese 5 (B├Ârsen-) psychologischen Effekte musst du kennen ­čś▓ 2

Wenn wir Verluste erleiden, wollen wir diese oft mit allen Kr├Ąften zur├╝ckholen. Nicht selten handelt es sich dabei allerdings um „versunkene Kosten“, also etwas, das auf immer weg ist. Trotzdem m├Âchte wir nat├╝rlich nicht umsonst bezahlt haben und daher steigt unsere Bereitschaft noch mehr zu bezahlen – in der Hoffnung noch etwas zu retten.

Dieses Ph├Ąnomen hat schon ganze Kriege in die L├Ąnge gezogen und unz├Ąhligen Menschen das Leben gekostet. Immer wieder war der Gedanke „Wenn wir jetzt nicht weiterk├Ąmpfen, w├Ąren die bisher gefallenen umsonst gestorben.“. Dieser Gedanke f├╝hrt aber zweifelsohne zu immer noch mehr Verlusten. Denn die Gefallenen k├Ânnen auch von immer mehr Einsatz von Menschenleben nicht mehr zur├╝ckgeholt werden: Versunkene Kosten.

Exakt genauso geht es uns an der B├Ârse mit unseren Investitionen. Wir erleiden Verluste, wollen es aber dann mit allen Mitteln zur├╝ckholen und sind bereit, immer h├Âhere Summen in immer weiter fallende Aktien zu investieren. Manchmal m├╝ssen wir uns einfach eingestehen, dass Verluste passiert sind und unser Geld bei anderen Investments besser aufgehoben w├Ąre…

#3 Ankereffekt

Der Ankereffekt ist ein ziemlich bekannter psychologischer Effekt. Er beschreibt, dass wir verschiedene Sachverhalte nach dem Wert beurteilen, der uns zuerst dazu pr├Ąsentiert wird. Wenn du beispielsweise bei der Gehaltsverhandlung ganz beil├Ąufig erw├Ąhnst, dass du einen Freund in Singapur hast, der bei einer Investmentbank 250.000ÔéČ verdient, wird sich dein Chef schwerer tun zu knausern, als wenn du ihm von deinem Neffen mit dem 450-Euro-Job erz├Ąhlst. Wir orientieren uns einfach zu gern an vorausgegangenen Zahlen…

Nat├╝rlich ist das auch wieder an der B├Ârse so: Wenn wir eine Aktie bereits f├╝r 100ÔéČ gesehen haben und sie kostet nun 50ÔéČ, dann denken wir, dass das relativ gesehen zu wenig ist. Wir lesen dann Artikel, in denen steht „Aktie XY jetzt mit 50% Rabatt!“. Dank des Ankereffekts wissen wir, dass das Bl├Âdsinn ist. Denn Die zuk├╝nftige Entwicklung eines Unternehmens h├Ąngt ├╝berhaupt nicht davon ab, wie der Aktienkurs in der Vergangenheit war. Und sie h├Ąngt schon gleich zweimal nicht davon ab, f├╝r welchen Kurs du sie einmal gekauft hast.

In diesem Sinne sind ├╝brigens „personalisierte Kennzahlen“, wie die „personalisierte Dividendenrendite“, die sich auf deinen pers├Ânlichen Kaufpreis st├╝tzen, kompletter Quatsch. Die Frage lautet immer: „Wie geht es von hier an weiter?“ und nie „Wie war der Kurs in der Vergangenheit?“!

#4 Herdentrieb

Wachstumskurs Diese 5 (B├Ârsen-) psychologischen Effekte musst du kennen ­čś▓ 4

Wenn es eines gibt, das der Mensch am liebsten tut, dann ist es das, was auch andere tun. Der Mensch ist ein Herdentier und das bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Durch das einfache Nachahmen der Taten anderer, macht man in aller Regel alles richtig, ohne daf├╝r extra alle Alternativen ausprobieren und schmerzhaft lernen zu m├╝ssen.

Doch so gut es auch ist, andere nachzuahmen: an der B├Ârse ist das der Grund f├╝r heftige ├ťbertreibungen, bis hin zur Blasenbildung. Wir kaufen das, was alle kaufen – das kann ja offensichtlich nicht so falsch sein?!

Es bedarf keiner gro├čen Mathematik, um zu erkennen: Wenn alle das gleiche kaufen wollen, steigt der Preis. Und ein hoher Preis bedeutet hohes Risiko gepaart mit schlechten Renditeaussichten. Oft ist es besser, man sucht sich weniger ausgetretene Pfade und w├Ąhlt die ungeliebten, daf├╝r aber oft renditetr├Ąchtigeren Aktien. Die Kunst liegt hier wohl darin, zu unterscheiden, was nur gehypt ist und wo wirklich nachhaltige Rendite liegt…

#5 Recency Bias

Als f├╝nften und letzten b├Ârsenpsychologischen Effekt haben wir hier noch den Recency Bias. Er beschreibt unsere Tendenz, das zu ├╝bersch├Ątzen, was gerade aktuell geschieht. Auch hier gilt wieder: Was im Allt├Ąglichen sinnvoll ist, kann an der B├Ârse zu schlechten Entscheidungen f├╝hren.

Wer von sich selbst behauptet, langfristig zu investieren, der betr├╝gt sich selbst, wenn er kurzfristige Entwicklungen in seine langfristigen Investitionsentscheidungen einflie├čen l├Ąsst. In diese Kategorie fallen zum Beispiel ├ťberlegungen, welche Unternehmen denn unter einem bestimmten Pr├Ąsidenten profitieren d├╝rften, oder ob nach Corona jemals wieder so viele Leute bei McDonalds oder Starbucks Kunde sein werden… In 15 Jahren interessiert das und so vieles andere niemanden mehr…

Diese Liste ist nat├╝rlich keinesfalls ersch├Âpfend und kann noch lange fortgef├╝hrt werden. Trotzdem bewahrt dich die Kenntnis dieser grundlegenden b├Ârsenpsychologischen Ph├Ąnomene hoffentlich vor dem ein oder anderen Schlag ins Wasser. Welche dieser Effekte sind auch dir schon mal bei deinen Investmententscheidungen begegnet? Schreib‘ es gerne in die Kommentare. Ich bin gespannt.


Tags

B├Ârsenpsychologie, Effekt


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