Februar 4

Diese 3 Mythen des Value Investing verhindern hohe Renditen

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Investierst du in Aktien und würdest du dich dabei als Value-Investor bezeichnen? Schlägst du damit den breiten Markt? Wenn deine Antwort auf diese Frage ein kleinlautes “Nein, leider nicht.” ist, dann womöglich, weil auch du – wie so viele andere – folgenden Mythen über das Value Investing aufgesessen bist, die deine Rendite schmälern.

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Mythos 1: Klassisches Value Investing ist auch für Kleinanleger geeignet.

Wachstumskurs Diese 3 Mythen des Value Investing verhindern hohe Renditen 1

Benjamin Graham, der Lehrmeister von Warren Buffett, gilt als der Vater des Value Investing. Sein Buch “The Intelligent Investor” ist gleichzeitig Bestseller und theoretischer Grundstein für wertorientiertes Investieren. Darin legt er dar, dank welchen Konzepten er nach einem beinahe ruinösen Börsencrash 1929 phänomenale Renditen über dem Marktdurchschnitt erzielen konnte.

Einige dieser Konzepte sind universell gültig und sehr gut von Kleinanlegern umzusetzen. Beispielsweise die Tatsache, dass der bezahlte Preis einen enormen Einfluss auf den Erfolg einer Investition haben kann. Ob eine Aktie mit dem aktuellen Wert von 100 € eine gute Investition war, hängt schließlich davon ab, ob du 50 € bezahlt hast oder doch 250 €.

Wer das Buch liest, wird aber sehr schnell feststellen, dass Ben Graham nicht den Kleinanleger im Sinn hatte, als er seine persönliche Herangehensweise zu außerordentlichen Investitionserfolgen preisgibt.

Benjamin Graham; Bildquelle: Wikipedia

Die Methode Graham: Suche nach Unternehmen, die gleichzeitig extrem günstig zu erwerben sind und nach Abzug der Schulden noch substanzielle Vermögenswerte besitzen. Diese Vermögenswerte können Anteile anderer Firmen, Grundstücke, Vorräte oder ähnliches sein. Meistens haben diese Unternehmen wirtschaftliche Probleme, ansonsten wären sie schließlich nicht so günstig zu kaufen.

Wenn du so ein Unternehmen identifiziert und gekauft hast, bestehen zwei Möglichkeiten. Entweder du schaffst es, die Probleme der Firma zu beheben und sie wieder profitabel zu machen. Dann profitierst du von den Gewinnen dieser Geschäfte oder dem nun deutlich teureren Verkauf des ganzen Unternehmens. Oder aber du siehst keine Chance die Firma weiterzuführen. Dann verkaufe einfach sämtliche Vermögenswerte und profitiere von einem höheren Verkaufserlös als dein Kaufpreis war. Egal Was passiert, du machst eine satte Rendite.

Value Investing nach Benjamin Graham

Dieser Ansatz hat den Charme, dass du nur gewinnen kannst – sofern du deine Hausaufgaben gemacht hast. Es gibt allerdings einen großen Nachteil. Die allerwenigsten Privatinvestoren haben die nötigen Mittel, um als Mehrheitsinvestor eines Unternehmens aufzutreten und dieses dann entweder zu sanieren oder zu liquidieren. Als Kleinanleger ist die Gefahr sehr groß, dass ein angeschlagenes Unternehmen weiterhin so lange Verluste schreibt, bis sämtliche Vermögenswerte verbraucht sind. Diese Form des Value Investing wird daher eher von aktivistischen Investoren, wie Carl Icahn, oder Private Equity Firmen angewendet, da diese in der Lage sind, aktiv Werte zu heben, die dir und mir schlicht nicht zugänglich sind.

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Weiterentwicklung durch Warren Buffett: Der legendäre Value Investor Warren Buffett war Grahams Schüler und hat daher anfangs auch sogenanntes “Cigar-butt” (Zigarrenstummel) Investing betrieben. Er hat in Ungnade gefallene Firmen(-anteile) gekauft und mit diesen noch einen “letzten Zug” Rendite genommen.

Nun ist uns aber allen bekannt, dass Buffett am liebsten herausragende Firmen kauft und diese für immer hält. Das passt nicht ganz zur vorher beschriebenen Methode bei welcher die Firmen nach Heben des Wertes wieder abgestoßen werden. Diese Entwicklung des Ansatzes hat vor allem mit der Zusammenarbeit mit seinem Partner Charlie Munger zu tun, der einen stärkeren Fokus auf die Qualität eines Unternehmens legt, welche es erlaubt sehr lange damit Rendite zu machen. Das bringt uns direkt zu Mythos 2.

Warren Buffett; Bildquelle: Mark Hirschey; Wikipedia

Mythos 2: Value Investing bedeutet unterbewertete Unternehmen zu kaufen.

Wer als Privatinvestor langfristig in Aktien investieren möchte, für den greift die Idee vom Kauf unterbewerteter Aktien aus folgenden Gründen viel, viel, viel zu kurz:

  • Das Konzept der “Unterbewertung” setzt einen objektiven “intrinsischen Wert” voraus, von welchem der Preis gerade stark abweicht. Das widerspricht zunächst dem Grundsatz der Marktwirtschaft, nach welchem der Wert durch die Summe subjektiver Einschätzungen bestimmt wird. Von daher ist es m. E. ratsam eher von einer “subjektiv wahrgenommenen Unterbewertung” zu sprechen. Bezogen auf die Methode nach Graham ist ein Unternehmen nur für den Investor unterbewertet, der in der Lage ist, den Wert zu heben.
  • Die Aufhebung einer Unterbewertung bspw. durch die Kurssteigerung einer Aktie ist ein einmaliges Phänomen. Der Logik folgend, muss dann das Unternehmen abgestoßen werden. Somit führt die Suche nach “unterbewerteten Unternehmen” zu einer hohen Handelsfrequenz, obwohl Value Investing eigentlich mit einem Buy-and-Hold-Ansatz verbunden wird.
  • Das Konzept der “Unterbewertung” fragt in erster Linie nach dem Preis. Daran bist du als Investor aber nicht wirklich interessiert. Als Investor interessiert dich die Rendite, die du mit einem Investment generierst.

Vor allem die letzten beiden Punkte zeigen sehr deutlich, dass Warren Buffett nicht einfach nur die Suche nach “unterbewerteten Unternehmen” meint, wenn er von Value Investing spricht.

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Viel bedeutender sind Fragen wie:

  • “Welches Unternehmen ist im Stande noch sehr viel Mehrwert zu generieren?”
  • “Welches Unternehmen kann sich langfristig gegen die Konkurrenz durchsetzen?”
  • “Welches Unternehmen ist überdurchschnittlich effizient?”
  • “Welche Rendite erwarte ich mir von einem Investment bei gegebenem Preisniveau?”
  • “Ist mir persönlich diese erwartete Rendite hoch genug, um das Risiko eines Investments zu tragen?”

Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass sich diese Fragen, viel mehr um das Unternehmen drehen als um den Preis, der eventuell gerade unter oder über dem historischen durchschnittlichen KGV liegt. Der Preis ist lediglich indirekt für die zu erwartende Rendite eines Investments relevant. Ebenso können wir sehen, dass diese Form des “wertorientierten Investierens” viel einfacher für den Privatinvestor umzusetzen ist.

Die Frage nach der Rendite wird langfristig die besseren Ergebnisse liefern als die Frage nach dem Preis. Denn selbst wenn ein Unternehmen nach allen historischen Maßstäben gerade als “unterbewertet” gelten kann, heißt das nicht, dass die mittel- bis langfristig zu erwartende Rendite außerordentlich hoch ist. Ebenso kann ein Unternehmen gerade einen sehr “teuren” Eindruck machen und trotzdem überdurchschnittliche Renditen versprechen.

Mythos 3: Aktien kann man in Value- und Growth-Aktien einteilen

Wenn du hin und wieder Artikel über Aktien (wie diesen hier) liest, dann hast du bestimmt schon mal gelesen, dass Aktien in Value-Aktien und Wachstumsaktien eingeteilt werden. Diese Einteilung erfolgt meist anhand des Wachstums. Wächst ein Unternehmen stark, haben wir es mit einer Wachstumsaktie zu tun. Wächst ein Unternehmen nur langsam hätten wir es mit einer Value-Aktie zu tun. Nun, der Autor dieses Artikels ist der Ansicht, dass das der größte Quark ist, der einem beim Thema Value Investing so unterkommt.

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Diese Einteilung ist aus zwei Gründen sehr irreführend.

Erstens wird dabei suggeriert, dass ein Unternehmen wertvoll (valuable) ist, WEIL es nicht wächst. Allerdings sollte uns bereits der gesunde, renditeorientierte Menschenverstand sagen, dass die Fähigkeit zu wachsen etwas außerordentlich wertgebendes ist. Im Gegenteil sogar, ein Unternehmen, welches nicht mehr wachsen kann, hat ein Problem und wird nur gute Rendite bringen, wenn es wirklich außerordentlich günstig ist.

Was uns zu Zweitens bringt: Es wird suggeriert, dass eine Aktie eine Value-Aktie unabhängig vom Preis sein kann. Das ist natürlich auch Blödsinn. Denn, ob eine Aktie wirklich Value ist hängt eben stark davon ab, wie viel sie kostet, weil dadurch auch die zu erwartende Rendite definiert wird.

Daher kann es uns hier auch nicht mehr wundern, wenn sich Kleinanleger fragen, weshalb sie mit vermeintlichen “Value-Aktien” so wenig Rendite machen. Die Wahrheit ist vielmehr, dass ein Großteil der Aktien zu einem Großteil der Zeit leider weder Wachstum noch Value bieten. Gleichzeitig sollten wir anerkennen, dass die Fähigkeit zu Wachstum sehr wertvoll ist. Als Value Investor solltest du definitiv solche Unternehmen nicht ausschließen. Du musst dir nur noch die Frage stellen, wie viel Rendite du bei angenommenem Wachstum und gebenenem Preis erwartest und ob dir das genug ist.

Wenn du dich an diesem Punkt fragst, ob du mit Value Investing wirklich auf ewig Rendite machen kannst, dann wirst du hier einen spannenden Artikel finden.

Würdest du behaupten, dass du Value Investing betreibst? Bist du auch schon einmal über die Mythen in diesem Artikel gestolpert? Schreib’ es gerne in die Kommentare.


Tags

Bewertung, Buffett, Graham, Growth, Value, Value Investing, Wachstum


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