Februar 21

Auf was es bei Wachstumsaktien wirklich ankommt

3  Kommentare

Bei Wachstumsaktien ist die Frage nach der Bewertung die falsche

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Wenn du bereits einige Erfahrung mit Aktien hast und/oder du dich dem Lager des Value Investing zuordnest, dann wird sich für dich eine fundierte Investmentthese durch eine quantitative Betrachtung auszeichnen. Diese wird in irgendeiner Form eine Bewertung des in Frage stehenden Unternehmens beinhalten. Wenn der aktuelle Preis nun geringer als der von dir bestimmte Wert ist, wird ein Kauf für dich in Frage kommen. Für langfristigen Erfolg mit Aktien ist diese Vorgehensweise wichtig, wenn nicht unverzichtbar.

Trotzdem müssen zahlreiche Investoren mit diesem Vorgehen zusehen, wie scheinbar völlig überteuerte Wachstumsaktien durch die Decke gehen, während sie mit ihren Aktien nur geringe Gewinne machen. Ein möglicher Grund dafür ist, dass der Fokus auf die Bewertung die viel wichtigeren Fragen vergessen lässt – dazu aber später mehr. Außerdem können auch vermeintlich viel zu teure Unternehmen noch sehr viel Rendite bringen, wenn sie lange und stark genug wachsen. Sieh dir dazu folgende Tabelle an:

Rendite von Wachstumsaktien in Abhängigkeit von Umsatzwachstum
Annualisierte Rendite von Wachstumsaktien in Abhängigkeit von Umsatzwachstum und KUV-Reduzierung

Die Tabelle zeigt dir, welche annualisierte Renditen du mit einem Wachstumsunternehmen machen würdest. Nach rechts sind die durchschnittlichen Umsatz-Wachstumsraten über einen Zeitraum von 10 Jahren aufgetragen. Nach unten wird eine Reduzierung des Kurs-Umsatz-Verhältnisses (KUV) variiert. Das KUV wird als einfaches Maß für die Bewertung verwendet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) wäre sinnfrei, denn viele stark wachsende Unternehmen machen noch keinen Gewinn.

Grüne Zellen zeigen dir einen Fall mit zweistelliger annualisierter Rendite, während rote Zellen Verluste kennzeichnen. In Gelb eingefärbte Zellen bilden die Fälle ohne Verlust ab. Sowohl für die gelben, wie auch die roten Zellen, hätte sich die Investition in die Aktie nicht wirklich gelohnt und eine Alternativ-Investition in den breiten Markt wäre vermutlich attraktiver gewesen.

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Was sagt uns diese Tabelle jetzt?

Wenn wir ein Unternehmen vor uns haben, bei welchem wir in 10 Jahren die Hälfte des aktuellen KUV für angemessen halten, dann müsste dieses über 10 Jahre mit mindestens 20% p.a. wachsen, um sich noch als gutes Investment zu qualifizieren (12% p.a.).

Gleichzeitig können wir heute ein KUV von 40 rechtfertigen, wenn wir von einem zehnjährigen Wachstum von 30 % ausgehen und dem Unternehmen dann noch ein KUV von 10 zugestehen.

Als Zusammenfassung können wir also festhalten: Je stärker ein Unternehmen wächst, desto weniger relevant ist das Bewertungsmaß für die Investitionsentscheidung. Wobei natürlich auch hier gilt: Wer zum halben Preis kauft, hat am Ende immer doppelt so viel.

Wachstumsunternehmen müssen wachsen!

An unserer kleinen Tabelle haben wir gesehen, dass fast jede Bewertung von Wachstumsaktien gerechtfertigt werden kann, solange das Unternehmen dahinter nur lange genug stark genug wächst. Den Umsatz über 10 Jahre hinweg mit 25% zu steigern entspricht etwa einer Ver-10-fachung – ein Wachstum von 35% sogar einer Ver-20-fachung.

Das sind enorme Steigerungen und gleichzeitig auch Anforderungen, denen gerecht zu werden nicht einfach ist. Und wir dürfen uns hier nichts vormachen: Viele Wachstumsaktien mit sehr hohen Bewertungen, werden diesen Anforderungen vermutlich nicht gerecht werden und entsprechend enttäuschende Renditen bringen.

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Trotzdem gibt es Unternehmen, die diese Entwicklung geschafft haben. Facebook, Alphabet, Amazon, Tesla oder Netflix sind Beispiele dafür – inklusive der entsprechenden Renditen. Auch diese Wachstumsaktien waren nie wirklich “billig”.

All diese Firmen haben gemeinsam, dass sie ein völlig neues Geschäftsfeld mit erschaffen haben, sie sich darin als unangefochtener Marktführer positionieren konnten und am Ende der Reise sehr profitabel werden. Außerdem haben alle Technologien entwickelt, die die Welt verändert haben.

Und genau hier sollten wir auch ansetzen, wenn wir in Wachstumsaktien investieren wollen. Wir sollten uns fragen, welche Technologien die Welt verändern werden. Wir sollten fragen, welche Unternehmen diese Technologien so voranbringen werden, dass sie sich als Marktführer positionieren können, an dem kein Weg vorbeiführt.

In einem zweiten Schritt können wir uns dann fragen, wie groß dieser neue Markt sein wird, welchen Anteil unser Champion für sich beanspruchen kann und wie groß seine Marge dabei werden kann. Anhand dieser Überlegungen können wir dann auch bestimmen, bis zu welchem Preis wir bereit sind, eine Investition zu wagen.

Finde erst deinen Champion und überlege dir dann, wie viel er wert sein wird.

Cathie Wood und die disruptiven Technologien

Wenn es eine Person in der Investment-Welt gibt, die diesen Ansatz verkörpert, dann ist es Cathie Wood. Ihrer Weltsicht nach befinden wir uns in einer Zeit des technologischen Umbruchs, der stärker ist als zur Zeit der Industrialisierung. Die vergangenen 100 Jahre ist in ihren Augen technologisch fast kein Fortschritt erzielt worden, von kleineren Verbesserungen abgesehen.

Cathie Wood ist davon überzeugt, dass wir aktuell an einem Punkt stehen, an welchem neue disruptive Technologien – vorangetrieben durch Digitalisierung, Big Data, Rechenleistung, künstliche Intelligenz, Quantencomputer – die Welt von morgen zu einer andern machen als wir sie heute kennen. Sieh dir gerne ihre YouTube-Videos an, wenn du mehr dazu erfahren möchtest – sie sind sehr inspirierend.

Dementsprechend sind es auch die Unternehmen, die diese Technologien vorantreiben und die Welt damit verändern, die sich als Wachstumsaktien mit enormem Renditepotenzial qualifizieren. Wenn Cathie Wood recht hat – und einiges spricht dafür – dann wäre es als Investor fahrlässig, auf alte Geschäftsmodelle zu setzen, die durch neue, innovative Technologie obsolet gemacht werden können. Die Welt wird denen gehören, die sie gestalten!

Dementsprechend hält sie auch vom Investieren in den breiten Markt wenig, da dieser von den Gewinnern von gestern getragen wird. Wobei wir hier fairerweise sagen müssen, dass die großen Technologie-Unternehmen mittlerweile eine sehr dominante Stellung einnehmen und gleichzeitig immer noch deutlich den Wachstumsaktien zugeordnet werden können.

Ihren Überzeugungen folgend hat Cathie Wood 2014 das Investment-Haus Ark Invest gegründet. Mit diesem bietet sie aktiv gemanagte ETF an, welche relativ fokussiert in die von Ark identifizierten Champions von ausgewählten Feldern der Zukunfts-Technologien investieren. Bisher war dieser Fokus auf Wachstumsaktien außerordentlich erfolgreich und hat sämtliche Indizes alt aussehen lassen. Sieh dir dazu den Wertverlauf größten Ark-ETF ARK Innovation an: 670 % Rendite seit Auflage gegenüber 93 % beim S&P 500.

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Performance des ARK Innovation ETF verglichen mit dem S&P 500

Die vergangene Performance ist natürlich nicht als Indikator für die Zukunft geeignet. Von daher bleibt es spannend, ob der Ansatz auch weiterhin so erfolgreich sein wird. Was ist deine Einschätzung zur technologischen Entwicklung und den damit verbundenen Gewinnchancen? (Wie) beteiligst du dich an disruptiven Wachstumsaktien?

Disclaimer: Dieser Artikel, sowie jede Nennung von Wertpapieren oder Unternehmen dient rein den Zwecken der Unterhaltung und/oder Bildung und stellt in keinem Fall eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf irgendwelcher Wertpapiere dar. Jeder Anleger handelt eigenverantwortlich. Haftung ausgeschlossen.


Tags

Aktienbewertung, ARK, Cathie Wood, Innovation, Wachstum, Wachstumsaktien


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    • Hallo Daniel,
      vielen Dank für deinen Kommentar und dein Feedback.

      Die Tabelle basiert nicht auf historischen Daten, sondern einer theoretischen, allgemeinen, mathematischen Überlegung. Man kann sie auf zwei Weisen lesen:

      1. Wie stark muss ein Unternehmen über 10 Jahre wachsen, damit ich trotz einem Rückgang des KUV um xx% trotzdem gute Rendite machen kann.

      2. Wie stark darf sich das KUV reduzieren, wenn ich von xx % Wachstum über 10 Jahre ausgehe und ich trotzdem noch ein gutes Investment eingehen möchte.

      Der Hintergrund der Überlegung ist die Frage, ob die enorm hohen Bewertungen von Wachstumsaktien gerechtfertigt ist. Und die Antwort darauf ist: Ja, aber nur, wenn diese Unternehmen wirklich lange genug stark genug wachsen.

      Ich hoffe, das konnte noch ein bisschen Licht in das Thema bringen 🙂

      Schöne Grüße
      Andreas

      • Hallo Andreas,
        danke der Info. Habe das eben mathematisch nachvollziehen können. Wie du schon sagst letztendlich geht nichts über lang andauerndes, kontinuierliches (Umsatz-) Wachstum. 🙂

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