Februar 9

Wie sinnvoll ist eigentlich Dividende?

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Dieser süße Geldregen…

Jedes Mal, wenn eine Dividende auf meinem Konto gutgeschrieben wird freue ich mich wie ein kleines Kind an Weihnachten. Und dabei bin ich sicherlich nicht allein. Viele Aktionäre investieren ganz bewusst in Unternehmen, die ihre Gewinne zumindest teilweise ihren Eignern ausschütten. Es gab Zeiten, in denen die sogenannten Dividenden-Aristokraten eine bessere Performance als der breite Markt geboten haben. Heutzutage werden die Börsen eher von wachstumsstarken Technologie-Firmen, wie Amazon oder Netflix, dominiert, welche bis dato keine Ausschüttungen vornehmen (können). Vor diesem Hintergrund wollen wir uns in diesem kurzen Artikel wertfrei ansehen, inwieweit Dividenden sinnvoll sind.

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Dividende aus unternehmerischer Sicht

Um die Sinnhaftigkeit von Fragestellungen der Investment-Welt zu bewerten, ist es fast immer ratsam, sich zunächst in die Rolle des Unternehmens zu versetzen. Stell dir dazu vor, du besitzt eine Bäckerei und verfügst über die vollständige Entscheidungskompetenz. Außerdem bist du – wie jeder Unternehmer – daran interessiert, deine Rendite zu maximieren.

Dividende aus unternehmerischer Sicht

Wenn deine Bäckerei also nun nach deinem Geschäftsführergehalt noch üppige Gewinne erwirtschaftet, würdest du sie dir ausschütten?

Die Antwort hängt davon ab, wovon du dir mehr Rendite erwartest. Bei einer Ausschüttung könntest die nun freien Mittel unabhängig von deinem Unternehmen an der Börse investieren. Der breite Markt liefert über lange Zeiträume eine Rendite von etwa 7%. Und genau das ist es, was auch du für deine Anschluss-Investitionen erwarten würdest.

Alternativ könntest du die Gewinne innerhalb der Bäckerei investieren. Zum Beispiel in die Expansion mit dem Aufbau einer weiteren Filiale. Auch hier würdest du berechnen, wie viel Rendite du bezogen auf den Eigenkapitaleinsatz erwarten würdest.

Wäre die erwartete Rendite geringer, als sie bei einer Investition im breiten Markt zu erwarten wäre, ergibt diese Investition in Wachstum wenig Sinn. In diesem Fall solltest du dir den Gewinn als Dividende ausschütten und anderweitig verwenden. Könntest du hingegen bei deiner neuen Filiale mit einer Eigenkapitalrendite von deutlich über 7% rechnen, wäre die Expansion des bestehenden Geschäfts deutlich werthaltiger als eine Ausschüttung der flüssigen Mittel. Darüber hinaus solltest du ein gegebenenfalls höheres Risiko bei der Direktinvestition beachten.

Diese sehr einfache Überlegung begründet, weshalb es meist relativ alte, “bereits erwachsene” Unternehmen sind, die die üppigsten Dividenden zahlen: Eine alternative Investition in Wachstum wäre unrentabel im Vergleich zu der Rendite, die der Aktionär am Markt erwirtschaften kann. Junge Unternehmen können hingegen oft deutlich mehr Wert schaffen, wenn sie die erwirtschafteten Mittel in renditestarke Wachstumsprojekte investieren.

Die steuerliche Betrachtung

Aus steuerlicher Sicht ist es sinnvoll, als Single 801 € und als Ehepaar 1602 € Dividende zu erhalten. Diese Grenzen entsprechen nämlich dem jeweiligen Steuerfreibetrag, bis zu welchem Ausschüttungen und Zinsen steuerfrei bleiben (abgesehen von Quellensteuern bei ausländischen Aktien). Und es ist ratsam diesen Freibetrag jedes Jahr auszuschöpfen, da man ihn ansonsten verschenkt und später mehr Steuer bezahlen muss.

Steuern bei Dividenden

Auf sämtliche Erträge über diesen Freibeträgen ist die Kapitalertragsteuer in Höhe von 25 % zu entrichten. Hinzu kommen eventuell noch Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.

Diese Abgaben fehlen dir als Investor nun, denn mit ihnen kannst du keine Rendite mehr erwirtschaften.

In einem alternativen Szenario schüttet das Unternehmen den Gewinn nicht in Form von Dividende aus, sondern durch Aktienrückkäufe. Diese erhöhen langfristig betrachtet den Aktienkurs durch eine Verknappung der Stückzahl. Hier fallen für dich allerdings erst Steuern an, wenn du Aktien verkaufst, also zu einem späteren Zeitpunkt.

Im Fall des Aktienrückkaufs hast du also über die gesamte Haltedauer deinen kompletten Kapitaleinsatz zu Verfügung, mit welchem du die Wirkung des Zinseszinses entfalten kannst. Das würde auch nach Verkauf und Versteuerung zu einer höheren Gesamtsumme führen als es bei Dividendenzahlung mit vorgezogener Besteuerung der Fall ist. Somit sind Dividendenerträge über dem Steuerfreibetrag rein steuerlich betrachtet leider wenig sinnvoll.

Die Bedürfnisse des Investors

Aus Investorensicht können Bargeldzahlungen direkt auf das Konto eine sehr attraktive Sache sein. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn du bereits in oder nahe einer Lebensphase bist, in welcher du deine Erträge auch ausgeben möchtest. In diesem Fall hast du mit Dividenden die Möglichkeit, dein Einkommen zu steigern, ohne dabei aktiv Aktien verkaufen zu müssen. Damit bist du in dieser Phase auch deutlich weniger abhängig von Kursschwankungen, weil diese deine Zahlungen nicht beeinflussen.

Rente mit Dividende

Allerdings wollen wir hier auch nicht verschweigen, dass Dividenden eine emotionale Komponente haben, die eventuell zu irrationalen Entscheidungen führen können.

Beispielsweise die eingangs angesprochene Freude über die Auszahlungen. Einerseits suggeriert uns das emotional ein Geschenk. Es handelt sich aber nicht um ein Geschenk, es handelt sich um die Belohnung für die von uns eingegangenen Risiken. Anderseits “wollen” wir uns über Cash freuen und tendieren womöglich zu ausschüttenden Unternehmen, obwohl diese nicht zwangsläufig die bessere Investition sein müssen.

Des Weiteren verwechseln wir emotional Dividende zu gern mit Zinsen. Zinsen sind fest, verlässlich und deutlich sicherer als eine Gewinnbeteiligung. Wer hier nicht unterscheiden kann, wird sich sehr wahrscheinlich die Finger an Aktien mit hohen Ausschüttungen verbrennen.

Letztendlich bleibt es dem Investor auch bei dieser Thematik frei überlassen, nach rationaler Abwägung der besprochenen Punkte, seinen Fokus zu setzen.

Wenn du bereits eine Dividendenstrategie verfolgst, die aber nicht sicher bist, ob du damit die Grundsätze des Value Investing verfolgst, dann findest du hier einen spannenden Artikel dazu.

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Tags

Aktien, Ausschüttung, Cashflow, Dividende, Investieren, Steuer


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