MĂ€rz 24

Aktien fĂŒr die Ewigkeit – Meine 5 Takeaways 📈📘

Aktien fĂŒr die Ewigkeit von Jeremy Siegel – Überblick

Jeremy Siegel ist Professor for Finance an der Wharton School, sowie Berater fĂŒr WisdomTree und bietet dem interessierten Leser mit “Aktien fĂŒr die Ewigkeit” (engl. Orignaltitel “stocks for the long run“*) einen Bestseller der Investmentliteratur. In einem leicht verstĂ€ndlichen Schreibstil gibt er dabei einen Überblick ĂŒber Aktien- und AnleihenmĂ€rkte der letzten 200 Jahre. In der aktuellen Auflage von 2014 erzĂ€hlt das Buch zwar eine Geschichte, die Geschichte der letzten Finanzkrise.

Im Großen und Ganzen handelt es sich aber um einen beschreibende Zusammenstellung einer Vielzahl an statistischen Auswertungen zum historischen Verlauf von Aktien. Aus diesen Auswertungen leitet Siegel unter ErlĂ€uterung von makroökonomischen ZusammenhĂ€ngen RatschlĂ€ge fĂŒr den Aufbau eines persönlichen Investment-Portfolios ab.

Das Buch eignet sich am besten fĂŒr Leser, die bereits ein grundlegendes VerstĂ€ndnis von Aktien haben und dieses Thema vor allem quantitativ vertiefen möchten. Wer zunĂ€chst an grundlegenden ZusammenhĂ€ngen interessiert ist, findet hier eine passende Auswahl oder bucht direkt einen Beratungstermin. 😉

Aktien fĂŒr die Ewigkeit von Jeremy Siegel
Aktien fĂŒr die Ewigkeit von J. Siegel*

1 Aktien bieten langfristig die höchste Rendite

Dreh- und Angelpunkt des Buchs bildet die Auswertung der Rendite verschiedener Anlageklassen seit 1802 in den USA. Die glasklare Erkenntnis: Aktien bieten langfristig deutlich höhere Renditen als andere alle anderen betrachteten Anlageformen. In folgender Tabelle ist das Ergebnis dieser Betrachtung nach Inflationsbereinigung zusammengefasst.

Anlageformaus 1 $ wurden in 210 JahrenjÀhrliche Rendite
Aktien704.997 $6,6 %
langlaufende Anleihen1.778 $3,6 %
kurzlaufende Anleihen281 $2,7 %
Gold4,52 $0,7 %
US-Dollar0,05 $-1,4 %

Inflationsbereinigte Ergebnisse im Jahr 2012 bei Anlage von 1 $ im Jahr 1802 in verschiedene Anlageformen.

Einige Dinge stechen bei der Betrachtung der Tabelle sofort ins Auge.

  1. Die Performance von Aktien ist enorm. Das Investment hĂ€tte sich in 210 Jahre ver-705.000-facht. Ohne Inflationsbereinigung wĂ€re das Ergebnis mit ĂŒber 8% jĂ€hrlicher Rendite ĂŒbrigens noch deutlich beeindruckender.
  2. Ein Unterschied von “nur” 3 Prozentpunkten zwischen Aktien und langlaufenden Anleihen ergibt einen enormen Unterschied im Investment-Erfolg
  3. Gold liefert ĂŒber den langen Betrachtungszeitraum fast keine reale Rendite und dient lediglich dem Werterhalt
  4. Geld eignet sich nicht als langfristiger Vermögenswert.

2 … und sind dabei zuverlĂ€ssiger als andere Anlageformen.

Wer glaubt, dass Anleihen ihre geringe Rendite durch eine höhere Sicherheit ausgleichen können, der liegt laut dem Autor falsch. Bei der Auswertung einer großen Anzahl verschiedener Haltedauern, ergibt sich folgendes Bild:

  • FĂŒr kurze Haltedauern ist die Streuung der Rendite bei Aktien deutlich höher als bei Anleihen. So weit, so bekannt.
  • FĂŒr Haltedauern ab 20 Jahren ist die Streuung der Rendite Aktien geringer als bei Anleihen.

Wenn du dir also sicher bist, dass du langfristig investieren möchtest, dann kannst du die Rendite von Aktien mit mehr Genauigkeit voraussagen also die von Anleihen. Als BegrĂŒndung gibt Siegel die InflationsabhĂ€ngig von Anleihen an, welche die reale Rendite langfristig ungenauer vorhersagen lĂ€sst. Aktien sind hingegen Sachwerte, deren zugrundeliegenden Unternehmen stĂ€ndig Mehrwert fĂŒr die Gesellschaft liefern. Dieses Wirtschaften ist auf lange Sicht verlĂ€sslicher als ein Investment in inflationsabhĂ€ngige Geldwerte.

Wer ein Portfolio mit maximaler Sicherheit in der Vorhersagbarkeit seiner Rendite möchte und sich seines Anlagezeitraums bewusst ist, der wird folgenden Zusammenhang finden: Je lĂ€nger der Anlagezeitraum, desto höher der dafĂŒr notwendige Aktienanteil. Bei einem Anlagezeitraum von 30 Jahren kann man die Rendite mit verschwindend geringem Risiko steigern, indem man einfach zu 100 % auf Aktien setzt und Anleihen völlig vernachlĂ€ssigt.

Fairerweise wird in “Aktien fĂŒr die Ewigkeit” auch darauf hingewiesen, dass es sehr wohl lange Perioden mit sehr starken Anleiherenditen gegeben hat. Diese Perioden gehen mit fallenden Zinsen einher, wie wir es seit Anfang der 1980er kennen.

3 Zwei Welten: Der Goldstandard Àndert einiges

Das Buch teilt die historische Betrachtung gemĂ€ĂŸ amerikanischer Geschichte grundsĂ€tzlich in 3 Perioden. von 1802 bis zum amerikanischen BĂŒrgerkrieg. Vom BĂŒrgerkrieg bis inklusive dem zweiten Weltkrieg, sowie die Nachkriegszeit. Beim Lesen von “Aktien fĂŒr die Ewigkeit” stellt man allerdings keinen außerordentlichen Einfluss dieser Perioden auf die Entwicklung der MĂ€rkte fest.

Eine deutlich höhere Auswirkung hatte dagegen die Abkehr vom Goldstandard. Bis 1933 konnte jeder US-BĂŒrger seine Dollar gegen Gold eintauschen. Um die damalige Wirtschaftskrise zu bekĂ€mpfen, hat Roosevelt diese Möglichkeit allerdings abgeschafft und auf ein Fiat-Geldsystem umgestellt. Staaten konnten fĂŒr etwa 20 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg den Dollar weiterhin gegen Gold tauschen. Dies schaffte Nixon dann allerdings ebenfalls ab.

Die Erkenntnis: Mit Goldstandard gab es deutlich mehr und deutlich lĂ€ngere Rezessionen als ohne. Gleichzeitig gab es mit Goldstandard quasi keine Inflation. Die nominale Entwicklung von Aktien weist seit seiner Abschaffung einen stĂ€rkeren Trend nach oben auf – real ergibt sich allerdings kein Unterschied. Interessant ist auch, dass die Rendite frĂŒheren Zeiten fast ausschließlich durch Dividendenzahlungen zustande kam. Die durchschnittliche Dividendenrendite betrug 6,4%. Heute spielen Dividenden eine untergeordnete Rolle. Kurssteigerungen durch Unternehmenswachstum und AktienrĂŒckkĂ€ufe sind die Renditetreiber unserer Zeit.

4 Wachstum bedeutet nicht automatisch Rendite

Die Intuition sagt uns: Wo Wachstum ist, da ist auch Rendite. Dass das nicht immer so sein muss, zeigt beispielsweise die renditeorientiere Auswertung von BörsengÀngen (IPO). Im Buch werden dabei jahrgangsweise die durchschnittliche Rendite von neu an der Börse gehandelten Unternehmen mit dem Marktdurchschnitt verglichen. In beinahe allen FÀllen schneiden die IPOs in den folgenden Jahren dabei schlechter ab als der Marktdurchschnitt.

Als BegrĂŒndung gibt uns das Buch ein ĂŒbersteigertes Interesse fĂŒr potenzielle Wachstumsstories, die zu ĂŒberhöhten Preisen fĂŒhren, welche anschließend natĂŒrlich zu schwachen Renditen fĂŒhren. An dieser Stelle fĂŒhrt das Buch an, dass die höchsten Renditen mit Philip Morris (heute Altria) erzielt werden konnten. Ein Unternehmen, dessen Tod durch Regulierung und Gerichtsverfahren seit langem prophezeit wird.

Aktien fĂŒr die Ewigkeit wartet noch mit einer weiteren Auswertung zu diesem Thema auf. Es stellt die Wachstumsraten von Volkswirtschaften der Rendite ihrer AktienmĂ€rkte gegenĂŒber – Industrienationen getrennt von SchwellenlĂ€ndern. Dabei stellt der Autor entgegen jeder Intuition eine negative Korrelation von Wirtschaftswachstum mit Aktienrenditen fest. Auch hier gibt er wieder dieselbe ErklĂ€rung: Da jeder hohe Renditen erwartet, werden zu hohe Preise bezahlt, was im Gegenzug die Renditen schmĂ€lert.

An dieser Stelle muss man als kritischer Leser allerdings anmerken, dass erstens die Korrelation eine sehr schwache ist und zweitens Zeitraum der Auswertung insbesondere bei SchwellenlÀndern zu gering ist, um eine eindeutige Aussage zu treffen. Interessant sind die lÀnderbezogen Vergleiche aber allemal.

5 Globale ZusammenhÀnge

Eine Sache, die “Aktien fĂŒr die Ewigkeit” gut macht, ist die Einbettung der Zahlenwelt in die großen wirtschaftlichen ZusammenhĂ€nge unserer Welt. Dabei gefĂ€llt mir – vor allem vor dem Hintergrund deutscher VorschlĂ€ge zu staatlichen Aktienfonds – der “Kreislaufgedanke” des Aktienbesitz. Siegel hĂ€lt es fĂŒr sinnvoll, dass entwickelte und langsam immer Ă€lter werdende Volkswirtschaften in Aktien investieren. Durch die erzielte Rendite lĂ€sst sich der demographische Wandel abfedern. Im Rentenalter verkaufen diese Volkswirtschaften dann vermehrt Aktien, welche von Menschen aus EntwicklungslĂ€ndern gekauft werden, die so ebenfalls fĂŒr ihre eigenen Ruhestand vorsorgen können.

Damit sieht der Autor nicht nur eine immer grĂ¶ĂŸere Bedeutung von internationalen MĂ€rkten, er sieht ebenso eine immer grĂ¶ĂŸere Beteiligung von internationalen AktionĂ€ren an Unternehmen der IndustrielĂ€nder. Ein Gedankengang, den ich sehr interessant gefunden habe.

Diese Fragen bleiben offen

“Aktien fĂŒr die Ewigkeit” bietet dem Leser einen sehr guten Überblick ĂŒber die historischen Entwicklungen am Aktienmarkt und bettet diese in eine umsetzbare Strategie fĂŒr Kleinanleger ein. Trotzdem lĂ€sst das Buch einige Fragen offen. Beispielsweise wird hĂ€ufig in “Value” und “Wachstum” unterteilt. Diese Einteilung basiert ausschließlich auf dem Kurs-Gewinn-VerhĂ€ltnis (KGV), was grundsĂ€tzlich ein fragwĂŒrdiger Ansatz ist.

Noch fragwĂŒrdiger werden allerdings die Ergebnisse, die auf Basis dieser Einteilung prĂ€sentiert werden. Wenn wiederholt geschrieben wird, dass Aktien mit geringem KGV höhere Renditen bringen als Aktien mit höherem KGV, bleibt offen, ob es sich um dieselben Aktien handelt oder sich diese immer wieder Ă€ndern. Zweiteres ist wahrscheinlicher, bietet aber dann keine Aussagekraft, wenn der Investor dem Titel des Buches folgend eine Aktie fĂŒr die Ewigkeit halten möchte und nicht jĂ€hrlich rotieren.

Ebenso sind einige Statistiken im Buch enthalten, die zwar fĂŒr den Zahlennerd spannend sein mögen, allerdings ohne jede praktische Anwendung fĂŒr den langfristig orientierten Investor sind. Ein Beispiel ist die Renditeauswertung nach Wochentagen.

Obwohl die aktuelle Auflage 2014 erschienen ist, merkt man, dass wir bereits in etwas anderen Börsenzeiten leben. “Aktien fĂŒr die Ewigkeit” arbeitet zwar die Finanzkrise sehr verstĂ€ndlich auf, spricht aber noch nicht von den plattformbasierten Technologie-Unternehmen, die heute alles dominieren. Das Buch verdeutlicht, dass es in der Vergangenheit bei Aktien nichts geschenkt gab, wenn es uns klar macht, dass die durchschnittliche Rendite exakt dem Kehrwert des durchschnittlichen Kurs-Gewinn-VerhĂ€ltnisses entspricht. Heute wĂ€re sicherlich eine EinschĂ€tzung dazu interessant, ob dieser Zusammenhang auch gilt, wenn ein großer Teil der Wirtschaft auf GeschĂ€ftsmodellen basiert, die Grenzkosten nahe null haben. FĂŒr zusĂ€tzliches Wachstum muss dabei nicht unbedingt mehr Geld investiert werden.

Wie sieht es bei dir aus, kanntest du das Buch bereits?

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Tags

Aktien, Aktien fĂŒr die Ewigkeit, Jeremy Siegel, Langfristig investieren, Siegel, Statistik, Stocks for the long run


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