Februar 16

Wie viel Diversifikation braucht dein Investment-Portfolio wirklich?

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Das Thema Diversifikation ist so zentral wie missverstanden

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Nachdem unser letzter Artikel über die Sinnhaftigkeit von Dividende sehr erfolgreich war, wollen wir heute über das noch zentralere Thema Diversifikation sprechen. Das Thema spaltet die Investment-Communities der sozialen Medien immer wieder. Die Einen diversifizieren über alle Asset-Klassen hinweg und verteilen ihre Investments direkt oder indirekt auf mehrere 1.000 Wertpapiere. Die anderen haben zehn Aktien in ihrem Depot und halten es für ausreichend diversifiziert. Wenn die einen von Fleisch reden, meinen sie Hack, während die andere Seite Steak im Kopf hat.

Wenn man sich in Diskussionsforen im Internet beteiligt, werden beide Standpunkte manchmal in beinahe religiöser Weise verteidigt, wobei alles andere per se unsinnig sei. Unsere Philosophie bei Wachstumskurs ist hier stets: “Alles, was du an der Börse machst ist legitim. Du solltest allerdings wissen, was du tust.” Genau hier scheint das Problem allerdings zu liegen. Diversifikation scheint trotz zahllosen Beiträgen dazu nicht wirklich verstanden zu werden.

Im Folgenden wollen wir deshalb den Versuch wagen, den Wirkmechanismus von Diversifikation zu klären und unter Einbeziehung der aktuellen Zinslandschaft die Frage zu beantworten, wie viel davon zu deiner Börsenstrategie passt. Wir gehen dabei allerdings davon aus, dass du grundsätzlich an langfristigem Vermögensaufbau interessiert bist und erst in relativ ferner Zukunft dein Depot entsparen möchtest.

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Diversifikation ist das einzige “free lunch” an der Börse

Ein “free lunch” bezeichnet “kostenlose Rendite” an der Börse. Oft wird der Ausdruck im Zusammenhang mit Übernahmen verwendet, wenn das zu kaufende Unternehmen noch unter dem vereinbarten Kaufpreis gehandelt wird. Die Preisdifferenz könne man dann “for free” als eigene Rendite realisieren. Hier wird aber oft übersehen, dass man immer noch erhebliche Risiken trägt, weil oft genug eine Übernahme scheitert. Sei es durch Einmischung von Dritten, Urteilen von Wettbewerbshütern oder einfach Umentscheidungen von Managern.

Im Gegensatz zur sogenannten “Merger Arbitrage” erhältst du mit Diversifikation auch objektiv ein waschechtes free lunch. Dieses gestaltet sich allerdings nicht als gesteigerte Rendite, sondern als ein geringeres Risiko, welches du für gleich hohe Rendite “bezahlen” musst.

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Um zu begreifen, wie diese Wirkung zustande kommt, müssen wir kurz unsere Statistiker-Brille aufsetzen. Stell dir vor, wir haben die gesamte Asset-Klasse “Aktien” vor uns und diese bestünde aus 10.000 verschiedenen Aktien und verspricht dir eine langfristige Rendite von 7 % pro Jahr. Wenn du dich nun an diesem breiten Markt über einen ETF beteiligst, wirst du dir eben diese 7 % Rendite erwarten. Das Risiko, welches du trägst ist sehr überschaubar, weil es sich rein als Marktrisiko darstellt und sich nur durch Schwankungen äußert.

Stell dir jetzt vor, dass du nicht den ETF kaufst, sondern alternativ völlig blind in eine einzige Aktie dieser großen Gruppe investierst. Welche Rendite würdest du erwarten? Du würdest ebenfalls nur 7% Rendite erwarten, weil der Durchschnitt der großen Gruppe einfach der wahrscheinlichste Wert für einen blinden Kauf eines Einzeltitels ist.

Das Risiko ist in diesem Fall allerdings deutlich höher. Zum Marktrisiko, welchem auch deine Einzelaktie unterliegt, trägst du nun auch signifikantes unternehmerisches Risiko. Jedes Ereignis, das dein Unternehmen beeinflusst, äußert sich nun als Preisänderung bei deiner Investition. Außerdem ist der Totalverlust sehr viel wahrscheinlicher, weil dein Unternehmen nun mal pleitegehen kann.

Obwohl der wahrscheinlichste Fall dem Durchschnitt der gesamten Asset-Klasse entspricht könnte deine Rendite im Fall der Einzelaktie natürlich nicht nur niedriger, sondern auch deutlich höher ausfallen. In jedem Fall gehst du aber mit jeder Einzelaktie ein deutlich höheres Risiko ein, als bei einem Investment in den gesamten Aktien-Markt.

Mehr Risiko nur bei mehr Rendite!

Sollten wir dann also alle zu 70 % in den MSCI World und zu 30 % in den MSCI Emerging Markets investieren, um breit zu diversifizieren und ein möglichst gutes Chance/Risiko-Verhältnis in unserem Depot zu haben? Die Antwort ist ein klares “Jein”.

Wenn du nicht an den Unternehmen interessiert bist und mit möglichst wenig Aufwand und möglichst wenig Risiko Geld anlegen und Vermögen aufbauen möchtest, dann solltest so breit wie möglich diversifizieren und das kannst du mit oben dargestelltem Verhältnis und den entsprechenden zwei ETF gut erreichen.

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Solltest du aber gerne in Einzelaktien investieren, weil du lieber direkter an Unternehmen beteiligt sein möchtest, so spricht natürlich auch nichts gegen diesen Ansatz.

Allerdings tappen hier viele in eine Falle. Sie versuchen möglichst “sichere” Unternehmen zu kaufen und geben sich dabei mit einer maximal durchschnittlichen Rendite zufrieden. Aber auch Investitionen in die Coca-Colas und Johnson und Johnsons dieser Welt sind grundsätzlich deutlich riskanter als eine Investition in den breit diversifizierten Markt. Wenn du dabei nur eine durchschnittliche Rendite erwartest, dann hast du einen ziemlich schlechten Deal gemacht: Du “bezahlst” mehr Risiko, ohne mehr Rendite dafür zu bekommen.

Vor diesem Hintergrund ist eine Investition in eine Einzelaktie nur dann sinnvoll, wenn du dir auch mehr Rendite von dieser Investition erwartest. Selbst ein diversifiziertes Aktienportfolio ist bei dieser Betrachtungsweise nur dann eine gute Sache, wenn du dir von jeder einzelnen Aktie eine überdurchschnittliche Rendite versprichst. Ansonsten würdest du auch hier übermäßig Risiko eingehen, ohne dafür etwas zu bekommen.

Insgesamt gilt: Je weiter du dich innerhalber der Asset-Klasse von perfekter Diversifikation entfernst, desto mehr Rendite solltest du dir davon versprechen. Oder: Je mehr Risiko du eingehst, desto mehr Rendite solltest du auch beanspruchen. Gehe nie mehr Risiko ein und beanspruche weniger Rendite!

Die Rendite zu reduzieren ist meistens eine schlechte Idee…

Die Asset-Klassen “Aktie” und “Immobilie” bieten über lange Zeiträume die höchsten Renditen. Der Grund dafür ist, dass das unternehmerische Risiko bei jeder einzelnen Investition deutlich höher ist, als das bei festverzinslichen Wertpapieren oder Rohstoffen ist.

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Jetzt liest und hört man allerdings sehr häufig, dass du dein Aktien/ETF-Portfolio auch mit Anleihen, Rohstoffen oder sogar Bargeld diversifizieren solltest, weil dadurch dein Gesamtrisiko nochmal deutlich gesenkt werden kann. Und in der Tat wirst du dadurch weniger Risiko tragen, was sich dadurch äußert, dass dein Depot deutlich weniger schwanken wird.

Für viele Anleger ist das das gewünschte Ergebnis, weil sie wegen einer geringen persönlichen Risikotoleranz zu starkes Schwanken nicht ertragen und im Zweifel unter Stress geraten und irrationale Entscheidungen treffen. Eine geringe Risikotoleranz sollte allerdings keine suboptimale Anlagestrategie zur Folge haben, sondern eher dazu motivieren, die eigene Risikotoleranz zu erhöhen.

Denn, wer sein Portfolio mit Asset-Klassen mit geringerem Risiko weiter diversifiziert, wird langfristig auch weniger Rendite erwirtschaften. Dass dies so ist, wird sofort klar, wenn wir uns den Grenzfall “risikofreie” deutsche Staatsanleihen ansehen, die auf dem aktuellen Zinsniveau teilweise negative Renditen aufweisen. Es ist offensichtlich, dass diese bei voller Haltedauer die Rendite schmälern werden. Eine Beimischung zur Risikoreduzierung, wie es zahlreiche Fonds machen, beleidigt eigentlich die Intelligenz des Anlegers.

Am Ende zählt eben das erreichte Gesamtvermögen und nicht mit wie viel oder wenig Schwankung du dorthin gekommen bist. Wir bevorzugen grundsätzlich immer ein Portfolio, welches hin und wieder von 1 Million auf 500.000 € absackt gegenüber dem, welches sehr stabil bei 200.000 € steht.

Wenn du noch tiefer in dieses Thema der passenden Diversifikation deines Portfolios eintauchen möchtest, wirst du mit dem Buch von Gerd Kommer* eine wertvolle Lektüre finden – allerdings mit starkem Fokus auf ETF. Wenn du noch in der Findungsphase der passenden Strategie für dich bist, dann unterstützen wir dich durch eine persönliche Beratung bei Wachstumskurs gerne dabei.

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Tags

Aktien, Anleihen, Asset, Depot, Diversifikation, Diversifizierung, ETF, Investieren, Streuung


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