März 18

Aufarbeitung GameStop: Sind Shortseller wirklich “böse”?

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Akte GameStop: Wie eine Bande von “Degenerates” den Shortsellern das Fürchten lehrte

Man musste nicht einmal spezielle Börsennachrichten verfolgen, um mitzubekommen, dass bei der GameStop-Aktie irgendetwas besonderes im Gange war. Anfang des Jahres hat sich die Aktie von gut 17$ auf fast 350$ ver-20-facht (Kursverlauf in nachfolgender Grafik). Und das innerhalb nur eines Monats! Was war es diesmal? Hat GameStop angekündigt in E-Mobilität einzusteigen oder ein Clean-Energy-Startup zu gründen. Nein. Diesmal

Wachstumskurs Aufarbeitung GameStop: Sind Shortseller wirklich "böse"? 1

Nein. Diesmal war es die Community von Wallstreet Bets, die einerseits ein Herz für GameStop hatte und andererseits den Shortsellern eins auswischen wollte. Aber der Reihe nach:

Was machen Shortseller: Shortseller leihen sich Aktien und verkaufen diese an der Börse mit dem Ziel sie später wieder günstiger kaufen zu können, wenn sie die Aktien zurückgeben müssen. Der deutsche Ausdruck dafür ist “Leerverkauf”. Bei dieser Methode profitiert man von fallenden Kursen und macht Verlust bei steigenden Kursen.

Was hat die Wallstreet Bets Community gemacht: Leerverkäufer profitieren von fallenden Kursen. Deshalb werden sie oft als “schlecht” oder “böse” portraitiert, weil sie aus dem “Verlust von anderen Profit schlagen”. Wie kann man nun diese bösen Shortseller bestrafen? Richtig! Indem man den Kurs der leerverkauften Aktie steigen lässt. Um das bei GameStop zu bewerkstelligen haben sich die Mitglieder der Gamestop Community, die sich selbst oft als “Degenerates” bezeichnen im Internet dazu verabredet ebendiese Aktie hochzukaufen. Der mediale Wirbel um diese Aktion hat nur noch mehr Leute motiviert mitzumachen.

Was war das Ergebnis: Die Aktion hat die Aktie quasi explodieren lassen und professionelle Shortseller, allen voran Melvin Capital hatten zeitweise Buchverluste von insgesamt 20 Mrd. $ zu verzeichnen. Dieser Kampf der kleinen Trader gegen die Börsen-Profis hat letztlich sogar den Milliardär und Hedgefonds-Manager Lee Cooperman zum weinen gebracht. Etwas, was die Jünger von Wallstreet Bets sicherlich gefreut haben dürfte. Allerdings ist nach der starken Rallye der Kurs auch wieder eingebrochen, sodass die Seite der Leerverkäufer insgesamt die Verluste eingrenzen konnte und diejenigen Trader, die zu hohen Kursen eingestiegen sind, haben auch Verluste verzeichnen müssen. Trotzdem ist der Preis seither nie weit unter 50$ gefallen, sodass das Ziel des “Shortseller-Grillens” als erreicht gelten kann.

Shortseller sind unbeliebt aber nicht “böse”

Ein Leerverkauf wird häufig moralisiert und als etwas Verwerfliches beschrieben, weil dadurch der Kurs mit Aktien manipuliert werden würde, die der Verkäufer überhaupt nicht besitzt. Freilich kommt diese negative Sicht entweder von kurzfristig orientierten Tradern oder der falschen Annahme, hohe Kurse wären etwas Positives. Lass uns daher kurz überlegen, weshalb Shortseller nicht nur nicht böse, sondern sogar ziemlich wichtig sind und weshalb sie dir zu mehr Rendite verhelfen.

Shortseller sind wichtig für die Preisbildung

Faire Preisbildung: An der Börse entsteht der Preis durch Angebot und Nachfrage. Eine positive Meinung zu einem Unternehmen kannst du durch den Kauf dessen Aktien zum Ausdruck bringen. Eine negative durch den Verkauf. Die Summe aller positiven und negativen Meinungen ergeben dann den aktuellen Kurs.

Wären Leerverkäufe nicht möglich, so könnte zwar jeder eine positive Meinung ausdrücken, weil jeder Aktien kaufen kann. Allerdings könnte nur eine sehr kleine Anzahl an Menschen eine negative Meinung zum Ausdruck bringen, nämlich diejenigen, die im Besitz von Aktien sind und diese verkaufen können.

Bildquelle und Lizenz: Wikipedia

An einem bestimmten Punkt gäbe es dann keinen Marktteilnehmer mehr mit einer negativen Meinung, der diese auch ausdrücken könnte, weil bereits alle Aktien verkauft sind. Somit könnte an diesem Punkt der Preis der Aktie nur noch steigen, obwohl vielleicht nur eine Minderheit von der Werthaltigkeit des Unternehmens überzeugt ist. Diese systematische Überbewertung von Aktien lässt sich vermeiden, indem man Leerverkäufe zulässt. Denn somit können alle Marktteilnehmer sowohl positive, wie negative Meinungen ausdrücken und entsprechend handeln. Leerverkäufer halten den Markt also im Gleichgewicht und sorgen insgesamt für eine “fairere” Bewertung von Aktien.

Niedrige Kurse bringen mehr Rendite: Die “faireren” Kurse durch Leerverkäufe bedeuten in Summe niedrigere Kurse des Aktienmarktes. Und je niedriger die Kurse sind, desto mehr Rendite kannst du als Langfrist-Investor machen! Naja, wirst du sagen, wo ist denn der Unterschied: eine Aktie bei 50€ gekauft und bei 500€ verkauft ergeben eine Verzehnfachung, ebenso bei einem allgemein höheren Kursniveau ergibt ein Kauf bei 100€ und ein Verkauf bei 1.000€ eine Verzehnfachung… Also, who cares?!

Ausschüttungen matter, Baby! Für die Rendite aus Unternehmens(-und-dadurch-Kurs-)Wachstum macht das allgemeine Preisniveau keinen Unterschied. Bei den Ausschüttungen aber schon. Wenn das Beispielunternehmen von oben anfangs 5€ je Aktie an Dividende ausschüttet macht es über die Jahre einen gewaltigen Unterschied, ob das Preisniveau anfangs bei 50€ oder 100€ steht – Dividendenwachstum analog Kurswachstum angenommen. Dasselbe gilt für Aktienrückkäufe, die in unserem Beispiel allerdings zu verschiedenen Kursverläufen führen würden. Halber Preis – doppelte Ausschüttungsrendite – jedes Jahr. Das lässt sich nicht wegdiskutieren.

Shortseller decken Bilanzbetrug auf

Aufdecken von Betrug: Im Fall Wirecard gab es über die Jahre immer wieder Angriffe von Leerverkäufern zusammen mit Berichten über angeblichen Bilanzbetrug. Leider hat das sowohl die Öffentlichkeit, wie auch die Bafin nicht geglaubt und lieber die Shortseller der Marktmanipulation verdächtigt.

Heute sind wir alle schlauer (in meinem Fall auch ärmer 🙁 ^^) und wissen, dass das Geschäft von Wirecard zu großen Teilen nur erfunden war. Ohne den finanziellen Anreiz des Leerverkaufs und der harten und gefährlichen Arbeit der Journalisten, würde der Betrug vermutlich immer noch weiterlaufen. Und zwar solange, bis die Blase zu groß ist, um das Platzen zu verhindern. Dann würde der Schaden allerdings noch größer sein, als er ohnehin bereits ist.

Das Management eines jeden börsennotierten Unternehmens ist sich bewusst, dass da draußen genug Shortseller nur darauf warten, einen Skandal oder Betrug aufdecken zu können, um damit richtig Profit zu machen. Das ist eine gute Sache, denn es macht es deutlich schwieriger und gefährlicher für diese Unternehmensführer, einen Betrug erfolgreich durchzuziehen. Womit auch hier die Möglichkeit auf Leerverkäufe insgesamt zu einer faireren Geschäftswelt führt und wir als Kleinaktionäre uns deutlich stärker auf das ausgewiesene Zahlenwerk in den Geschäftsberichten verlassen können als das ohne den Kontrollmechanismus Shortseller der Fall wäre.

Zusammenfassend muss man also festhalten, dass Leerverkäufer an der Börse einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Balance leisten. So wie jedes Yin sein Yang braucht 😉

Was ist deine Meinung zu Shortsellern? Gehst du selbst hin und wieder short?

Falls du das möchtest, führt der beste Weg über das Trading-Depot aus unserem Depot-Vergleich.


Tags

Gamestop, Hedgefonds, Leerverkauf, Shortseller, Trading, Wallstreet, Wirecard


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