Januar 15

Weshalb du bei Investitionen in China vorsichtig sein solltest

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Die Erfolgsstory

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China ist längst zum Sinnbild für den wirtschaftlichen Aufstieg ganzer Nationen geworden. Das war allerdings bei weitem nicht immer so. 1957 führte die Volksrepublik die Liste der University of Pennsylvania als ärmstes Land der Welt an. Das Bruttosozialprodukt je Kopf betrug damals magere 568 $ (Kaufkraft bezogen auf 1996).

Nur zwei Jahre später führte der sogenannte “Great Leap Forward” von Mao durch sozialistische Misswirtschaft zu einer Hungerkatastrophe, die zwischen 20 Mio. und 40 Mio. Menschen das Leben kostete. Die wirtschaftliche Situation blieb auch nach der Aufgabe des Great Leap Forward angespannt und China war am Ende der Ära Mao (1976) wirtschaftlich abgehängt und technologisch rückständig verglichen mit seinen Nachbarn.

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Ab 1978 wurden in China unter neuer Führung marktwirtschaftliche Reformen eingeleitet. So wurde ein Privatisierungsprogramm in der Landwirtschaft durchgeführt und das Land für ausländische Investoren teilweise geöffnet – zumindest in den Sonderwirtschaftszonen. Das Bild links zeigt Shanghai – eine solche Sonderwirtschaftszone.

Der Erfolg dieser Reformen war phänomenal! Zwischen 1978 und 2014 hat sich nach Angaben der Weltbank das reale BIP in China ver-48-facht. Die Arbeitsproduktivität je Einwohner hat sich zwischen 1980 und 2012 ver-9-facht. 2001 trat das Reich der Mitte der Welthandelsorganisation mit Sonderstatus – welcher heute zu weltpolitischen Auseinandersetzungen führt – beigetreten. Seit 2010 hat es Japan auf den dritten Platz der größten Volkswirtschaften der Welt verwiesen und kämpft nun mit den USA um Platz 1. Ebenso konkurriert die Metropolregion Shenzhen technologisch und unternehmerisch mit dem Silicon Valley in den USA. Ein Drittel der Marktkapitalisierung aller Technologie-Plattform-Unternehmen statt aus China, 60 % aus den USA. Nicht schlecht, oder?

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Entwicklung BIP China, USA & Japan; Quelle: Google Public Data nach Daten der Weltbank

Investieren in China

Nach dem einleitenden Überblick über die beeindruckende wirtschaftliche Entwicklung Chinas möchte man meinen, dass auch ein Investment in den breiten Aktienmarkt dort ein Selbstläufer sein müsste. Tatsächlich hat der Index MSCI China in den 90er-Jahren über 90 % an Wert eingebüßt und konnte erst seit 2003 wieder kräftig zulegen. Seit diesem Zeitpunkt hat das China-Barometer dann auch tatsächlich die gängigen großen Indizes outperformt und war ein gutes Investment. Bezogen auf 1992 hätte man damit allerdings nur eine magere jährliche Rendite von 2,7 % eingefahren (Mehr). Und auch die starken letzten Jahren waren von starken Schwankungen geprägt, sodass der Kaufpreis eines breiten Investments überdurchschnittlich wichtig für die letztliche Rendite war.

Manche Risiken, die zu diesem starken Schwanken führen teilen sich alle Märkte: das generelle Marktrisiko etwa, oder die Abhängigkeit von weltwirtschaftlichen Entwicklungen. Das Risiko, welches China als “Rivale der USA” trägt wird schon etwas spezieller. Aber folgende zwei Risiken sind bezeichnend für Investitionen in China und sollten von jedem potenziellen Investor beachtet werden.

Rechtsstaatlichkeit

Wer in einer westlichen Demokratie lebt, für den ist selbstverständlich, dass er oder sie viele freiheitliche Rechte hat und dass unabhängige Gerichte diese Rechte verteidigen. Beispiele sind die Meinungsfreiheit, Recht auf körperliche Unversehrtheit oder aber auch Eigentumsrechte. Wer allerdings in einem Land mit mangelhafter Rechtsstaatlichkeit lebt, der kann von solchen Rechten nur träumen. Und wir dürfen uns nichts vormachen: China ist definitiv kein Rechtsstaat.

Das spüren vor allem all jene, die zum Beispiel in Hongkong für Demokratie demonstrieren. Das spüren vor allem auch viele Uiguren, die im Westen Chinas in sogenannten “Umerziehungslagern” festgehalten werden. Letztendlich spürt es auch jeder noch so unbedarfte Einwohner Chinas durch das “Social Scoring System”, durch das mehr und mehr Kontrolle auf das Privatleben ausgeübt wird. Wer der Partei wohlgesonnen ist, bekommt viele Punkte und damit Privilegien. Wer fragwürdige Angewohnheiten oder Ansichten hat, der verliert Punkte und damit immer mehr Freiheiten.

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Wer meint, dass dieser willkürliche Überwachungsstaat vor den Unternehmen halt, die für seinen beispiellosen Aufstieg gesorgt haben, der irrt auch hier. Ende 2020 hat sich der Alibaba-Gründer Jack Ma, dazu hinreißen lassen, das chinesische System als fortschrittshemmend zu bezeichnen. Daraufhin sind mehrere Sachen passiert.

  1. Der Mega-Börsengang des Zahlungsdienstleisters und Alibaba-Tochter Ant Financial wurde kurz vor seinem Termin und fragwürdigen Umständen abgesagt
  2. Jack Ma galt für etwa 2 Monate als verschollen und hat sich seitdem auch nicht mehr öffentlich zu Wort gemeldet
  3. Alibaba wurden monopolistische Strukturen vorgeworfen, welche jetzt untersucht werden.
  4. Der Aktienkurs von Alibaba ist in Spitze um ein Drittel eingebrochen.

Bild: Jack Ma auf dem Weltwirtschaftsforum 2018; Rechte: World Economic Forum / Ciaran McCrickard; Quelle: Wikipedia

Im Beispiel oben mag es durchaus sein, dass der Bezahldienstleister Ant auch in westlichen Staaten stärkerer Kontrolle über Institutionen wie der BaFin unterworfen werden würden. Und es kann durchaus auch sein, dass Alibaba monopolistische Praktiken betreibt, die in jeder modernen Marktwirtschaft untersuchungs- und gegebenenfalls strafwürdig sind. Trotzdem verdeutlicht das Beispiel eines ganz klar. Der chinesische Staatsapparat hat übergesetzliche Macht und ist gewillt diese Macht einzusetzen und im Zweifel auch völlig willkürliche seine Interessen durchzusetzen. Das trifft Investoren am Beispiel Alibaba indirekt durch einen starken Kurssturz. Das könnte Investoren aber auch ganz direkt treffen, da es keine Garantien dafür gibt, dass China die Eigentumsrechte ausländischer Investoren respektiert.

Trotz diesem sehr kritischen Absatz sei erwähnt, dass es sich kein Land leisten kann, Investoren einfach zu enteignen, da es sonst seine Glaubwürdigkeit auf den Märkten verspielen würde. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit eines solchen Extrem-Szenarios natürlich in Rechtsstaaten deutlich geringer. Viele Investoren engagieren sich alleine deswegen nicht in China, weil sie nicht mit einem autoritärem Regime assoziiert sein möchten. Aber das muss wirklich jeder für sich persönlich klären.

China steht mit seiner schwachen rechtsstaatlichen Bilanz natürlich nicht alleine da. Unten folgt eine Karte des Katapult-Magazins, die die rechtsstaatliche Lage weltweit einschätzt. Als wirtschaftlich interessiertem Betrachter fällt einem auf, dass gute Rechtsstaatlichkeit mit hohem Wohlstand einhergeht. Das ist kein Zufall und wird vermutlich irgendwann ein eigenes Thema hier auf Wachstumskurs werden.

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Quelle und Rechte: Katapult-Magazin

Aktionärsrechte

Wie eingangs beschrieben arbeitet China innerhalb der WTO immer noch mit einem Sonderstatus und ist von fairen Handelsbeziehungen und freier Marktwirtschaft trotz der Reformen der 80-er Jahre noch weit entfernt. Das führt dazu, dass ausländische Investoren in vielen Bereichen nur begrenzt investieren können und so nicht die Kontrolle über Unternehmen erlangen können. Wegen dieses erschwerten Marktzugangs verwundert es auch nicht, dass man in viele chinesische Unternehmen, wie Alibaba, nur indirekt investieren kann. Wer eine Alibaba-Aktie erwirbt, kauft in Wirklichkeit nämlich nicht einen Anteil am operativen Unternehmen Alibaba. Vielmehr kauft man sich einen Anteil an einer Offshore-Gesellschaft, die wiederum am Unternehmen beteiligt ist. Was man damit als Kleinaktionär definitiv nicht hat: Mitsprache bei Unternehmensentscheidungen.

Als Investor braucht man dann schon nochmal eine extra Portion Vertrauen, dass auch dieses Konstrukt den Wirren der Zeit standhält, damit die Investition Früchte tragen kann.

Fazit

Eine Investition in chinesische Aktien geht definitiv mit erhöhten Risiken einher, die bei Investitionen in deutsche oder amerikanische Aktien nicht vorliegen. Ob man bereit ist, diese Risiken zu tragen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Sollte man das mit einem “Ja” für sich beantworten, gibt es die Möglichkeiten ETF oder Einzelaktie. Was für dich besser geeignet ist, erfährst du hier.

China-ETF sind in den letzten Jahren trotz hoher Volatilität relativ gut gelaufen. Als mögliche Indizes könnte man sich hier den MSCI China oder einen breiteren MSCI Emerging Markets ansehen, in welchem China einen sehr großen Anteil ausmacht.

Deutlich mehr Rendite haben in den vergangenen Jahren chinesische Tech-Aktien, wie Alibaba, Tencent oder Netease gebracht. Wenn die Entwicklung weiter anhält, könnte man sich diese und ähnliche Titel näher ansehen – allerdings mit all den Risiken, die damit einhergehen.

Disclaimer: Der Autor Andreas Senftl besitzt zum Zeitpunkt des Schreibens einen MSCI China ETF und Aktien von Alibaba & Netease, sowie weitere chinesische Aktien. Der Autor weist auf einen möglichen Interessenskonflikt hin und behält sich jegliches Recht, auch zu kurzfristigem Handeln mit diesen Wertpapieren vor. Dieser Artikel stellt lediglich die Meinung des Autors dar und entspricht keinesfalls einer Handelsempfehlung. Jeder handelt eigenverantwortlich. Es wird keine Haftung übernommen.


Tags

China, Emerging Markets, Risiko, Schwellenländer


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