März 9

Aktien für alle! Kommt jetzt die gesetzliche Aktienrente?

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Eine Reform des Rentensystems ist längst überfällig

Liebe Leserinnen und Leser,

dass Deutschland ein demographischer Wandel bevorsteht ist kein Geheimnis. Dass dieser Wandel insbesondere das Rentensystem vor Herausforderungen stellen wird ist ebenso bekannt. Dennoch hat die Politik es leider seit den Riester-Reformen versäumt, an der Zukunftsfähigkeit unseres Systems zu arbeiten – das Gegenteil ist der Fall: Das Renteneintrittsalter wurde teilweise sogar abgesenkt. So sehr sich Menschen nach 45 Jahren harter Arbeit auch eine auskömmliche Rente verdient haben, es bringt die Rentenkasse leider nur weiter unter Druck.

Die FDP hat die Lage erkannt und nun einen Vorschlag zu einer gesetzlichen Aktienrente gemacht und diesen auch mit einer volkswirtschaftlichen Studie begleitet. Im Folgenden wollen wir uns kurz folgende Punkte ansehen:

Die Zusammenfassung kannst du dir auch hier auf dem dazugehörigen YouTube-Video ansehen.

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Problemkind Umlagesystem

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Soooo, jetzt aber mal von ganz vorne. Unsere gesetzliche Rente funktioniert im Augenblick so, dass die aktuellen Beitragszahler die Rente der aktuellen Rentenbezieher finanzieren. Wenn wir uns die Bevölkerungsverteilung Deutschlands hier im Bild ansehen, dann erkennen wir sofort, dass uns das in etwa 5 Jahren vor größere Herausforderungen stellen wird.

Ab dann werden nämlich die geburtenstarken Jahrgänge, welche sich jetzt in ihren 50ern und Anfang 60ern befinden, in Rente gehen. Damit werden mit einem Schlag sehr viele Menschen von der Gruppe der Beitragszahler in die Gruppe der Rentenempfänger wechseln. Gleichzeitig rücken relativ wenig junge Leute in den Arbeitsmarkt nach.

Somit wird das Verhältnis von Rentner zu Beitragszahlen deutlich ungünstiger werden als es aktuell schon ist. Die aktuellen Prognosen, die den Vorschlag zur gesetzlichen Aktienrente begleiten gehen daher ohne eine Reform des Rentensystems von einerseits steigenden Beitragssätzen und andererseits einem sinkenden Rentenniveau aus. Die Originalstudie, der Zusammenfassung, das komplette Konzept, sowie die Pressekonferenz zu Ankündigung des Vorschlags findest du hier. Die folgenden Grafiken sind daraus entnommen.

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So soll die gesetzliche Aktienrente aussehen

Das vorgelegte FDP-Konzept sieht vor, dass zukünftig 2% des Arbeitnehmergehalts weniger in das Umlagesystem gezahlt werden sollen. Diese Summe soll stattdessen in ein breit gestreutes Aktien-Portfolio investiert werden. Jeder Beitragszahler hätte dann bei Renteneintritt einen persönlichen Eigentumsanspruch an seinem Anteil des Fonds. Dieser soll kurz vor Renteneintritt in sichere Wertpapiere umgeschichtet werden und anschließend als Rente ausgezahlt werden.

Dieser Aktienfonds soll unabhängig von Ministerien und Politik verwaltet werden, um zu verhindern, dass er zum Spielball ebenjener wird. Gleichzeitig ist eine Opt-out-Option vorgesehen, mit der jeder Beitragszahler seine 2% Beitrag alternativ auch in ein privates Vorsorgeprodukt investieren kann. So soll ein Wettbewerb entstehen, der möglichen Ineffizienzen bei der Fonds-Verwaltung vorbeugen soll.

Anders als bei privaten Vorsorgelösungen, wie Riester oder der privaten Rentenversicherung, fallen durch die gesetzliche Variante der Aktienrente keine hohen Vertriebskosten/-provisonen bei Versicherungsgesellschaften an. Damit würden zum ersten Mal wirklich die Beitragszahler das Maximum der Aktienrenditen erhalten und nicht die Mittelsmänner.

Dieses Konzept ist stark angelehnt an das schwedische Vorsorge-Modell, welches mit AP7-Fund eine ganz ähnliche Politik verfolgt. Der Kerngedanke dahinter ist simpel: Aktien bringen langfristig die höchsten Renditen und sind damit prädestiniert für die Altersvorsorge. Höchste Zeit, dass wir uns als gesamte Volkswirtschaft an dieser Assetklasse beteiligen. Das sieht übrigens auch der Verbraucherschutz so und empfiehlt dieses vorgestellte System.

Neben des Aktienfonds sieht der Reformvorschlag noch eine zweite Komponente vor, um dir Rente zukunftssicher zu machen: Gezielte Zuwanderungspolitik, um ausländische Fachkräfte in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren und so dauerhaft Beiträge und Steuereinnahmen zu erhöhen. In den folgenden Abschnitten sehen wir uns die Hochrechnungen zu diesem Vorschlag kurz an.

Geringere Beiträge – höhere Rente

Die beigefügte Studie von Professor Werding untersucht den Einfluss der gesetzlichen Aktienrente auf die Entwicklung der zukünftigen Beitragszahlungen und berücksichtigt dabei gleichzeitig unterschiedlich starke Zuwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt. Das Ergebnis ist in folgender Grafik zusammengefasst.

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Die dunkelblaue Kurve beschreibt den bestehenbleibenden Sockelbeitrag für das Umlagesystem, kann zur Ergebnisbetrachtung aber ignoriert werden. Interessanter sind die gepunktete grüne Linie (Beitragsentwicklung ohne Reform) im Vergleich zu den gestrichelten Linien (Aktienrente mit unterschiedlicher Zuwanderung). Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das vorgelegte Konzept zulässt, die Rentenbeiträge ab etwa 2037 deutlich flacher zu steigern, als das ohne den Vorschlag der Fall wäre.

Allerdings sehen wir in den Anfangsjahren einen hellblau schattierten Bereich. Dieser illustriert Zuschüsse des Bundes, die notwendig sind, um die Umstellungsphase zu meistern. Dies ist logisch, denn die 2%, die in eine langfristige Anlage fließen fehlen zunächst bei der Umlage, also direkt bei der Rente der aktuellen Rentenbezieher. Dass diese Bundesmittel aber eine gute Investition sind, sehen wir, wenn wir uns am Ende die Auswirkungen auf die Staatsfinanzen ansehen.

Als kritischer Leser fragst du dich an diesem Punkt vermutlich: “Was nützt ein geringerer Rentenbeitrag, wenn am Ende dadurch vielleicht das Rentenniveau weiter absinkt?” Diese Frage wäre eine berechtigte, kann aber laut Studienergebnissen sehr positiv beantwortet werden. Diese sehen nämlich trotz eines geringeren Rentenbeitrags eine höhere Rente voraus, als wenn wir nichts ändern würden.

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In dieser Abbildung wird deutlich, dass sich nur durch die Rendite der Anlageklasse Aktie eine Umkehr des Trends sinkender Rentenniveaus erzielen lässt. Außerdem zeigt sich hier sehr deutlich, welche positiven finanzielle Auswirkungen eine hohe Zuwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt haben kann. Länder wie Kanada, Australien oder Neuseeland machen es vor. Alle mit demographiebeständigen Renten und starken Volkswirtschaften.

Aktien sind ein Segen für den Staatshaushalt

Die folgenden Grafiken illustrieren die Entwicklung von Haushaltsdefizit und Schuldenstand in Deutschland. Die gepunktete grüne Linie beschreibt das Szenario ohne Änderungen, die durchgezogene grüne Linie das Basisszenario mit Einführung der Aktienrente. Die gestrichelten Linien betrachten wieder unterschiedliche Zuwanderungszahlen.

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Die zunächst günstigere Variante wäre, das Rentensystem nicht zu reformieren. Damit würden Defizit und Schuldenstand zunächst am schnellsten sinken. Das ergibt Sinn, denn der Plan für die gesetzliche Aktienrente sieht die oben erwähnten Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt vor, um den Übergang zu finanzieren. Allerdings kreuzt die gepunktete Linie in beiden Bildern nach einigen Jahren alle anderen Kurven nach oben und zeigt somit zunehmend stärker Steigende Belastungen für den Haushalt an, wenn wir keine Lösung für die Herausforderungen des demographischen Wandels finden.

Dass diese Lösung mit einer Aktienrente möglich ist, zeigen die entsprechenden Linien in den Graphen. Alle Varianten erlauben es, langfristig deutlich weniger Schulden machen zu müssen. Um die Schuldenbremse dauerhaft zu halten ohne an anderer Stelle sparen zu müssen, wäre allerdings eine anhaltende sehr deutliche Einwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt notwendig.

Mir war nicht bewusst, wie stark die Auswirkung dieser Zuwanderungskomponente wirklich ist. Aber die letzte Graphik zeigt sehr eindrucksvoll, wie dadurch die deutschen Staatsfinanzen stabilisiert werden können. Nicht nur weil einerseits ein geringeres Defizit gemacht werden müssten, sondern weil andererseits auch deutlich mehr Wirtschaftsleistung erbracht werden könnte und dadurch die Basis der ganzen Berechnung, das BIP, stark ansteigen würde.

Als Aktienfreund halte ich den Vorschlag für eine sehr gute Sache und würde mich über eine Umsetzung freuen. Nicht nur, weil es offensichtlich ist, dass wir nicht nur privat sondern auch auf volkswirtschaftlicher Ebene auf die Kraft der Aktie setzen sollten, auch weil es dringend notwendig ist, um den deutschen Staatshaushalt handlungsfähig und zukunftssicher zu gestalten.

Was ist deine Einschätzung zum Vorschlag der gesetzlichen Aktienrente? Schreib es gerne in die Kommentare.


Tags

Aktien, Aktienrente, Demographie, demographischer Wandel, gesetzlich, Politik, Rente, Rentensystem, Umlage, Vorsorge


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