Dezember 10

Inflation auf 40-Jahres-Hoch: Können Aktien/ETF die Kaufkraft schützen?

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Inflation auf Höchststand

Die FAZ meldet, dass die Inflation in den USA im November stolze 6,8 % erreicht hat – den höchsten Wert seit 1982. Auch in Deutschland legt die Inflation deutlich zu und beträgt damit beachtliche 5,2 %. Zuletzt war der Wert hierzulande 1992 höher, also vor knapp 30 Jahren.

Für Anleger ist damit eines klar: Wer sein Geld auf dem Sparbuch oder unter dem Kopfkissen „anlegt“, wird die größten Kaufkraftverluste seit langem erleiden.

Nun ist landläufig bekannt, dass Sachwerte vor ebenjenem Kaufkraftverlust schützen sollen. Nachdem Aktien Unternehmensanteilen – und damit Sachwerte – sind, liegt die Vermutung nahe, dass eine Investition am Aktienmarkt, zum Beispiel über einen breit gestreuten ETF das Geld vor Inflation schützen kann.

Für die Beantwortung dieser Fragestellung müssen wir unterscheiden zwischen kurz-/mittelfristiger und langfristiger Anlage.

Die kurze Frist

Für die Betrachtung der kurzen Frist, ist zunächst wichtig, anzuerkennen, dass das Zinsniveau in Korrelation mit der Inflation steht. Wenn Teuerung und Zins auch nicht streng einander folgen, so erkennt man in folgender Grafik dennoch einen sehr starken Zusammenhang:

Wachstumskurs Inflation auf 40-Jahres-Hoch: Können Aktien/ETF die Kaufkraft schützen? 1
blau: Marktzins 3-monatiger Staatsanleihen; rot: Änderung des Verbraucherpreisindex; Werte für die USA

Wenn steigende Zinsen nach Jahren der Nullzinspolitik der EZB auch nur schwer vorstellbar sind: Eine dauerhaft hohe Inflation wird sehr wahrscheinlich den Zins ebenfalls nach oben treiben. Dabei rufen wir uns in Erinnerung, dass das Mandat der EZB darauf lautet, Preisstabilität bei durchschnittlich 2% Inflation zu gewährleisten. Früher oder später muss die Zentralbank also handeln.

Jetzt sind wir von der Teuerung zum Zins gekommen. Wie kommen wir nun zu den Preisen am Aktienmarkt? Dazu werfen wir einen Blick auf folgende Grafik, die das Shiller-KGV als Maß für die Bewertung des Aktienmarktes in blau und die langfristigen Zinsen in rot gegenüberstellt.

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Aktienmarktbewertung (S&P 500) und Zinsniveau; Quelle: Wikipedia

Es genügt ein flüchtiger Blick, um zu erkennen: steigende Zinsen führen tendenziell zu fallenden Bewertungen am Aktienmarkt und fallende Zinsen führen umgekehrt zu steigenden Bewertungen (und münden bisweilen in Blasen).

Zur Info: Das Shiller-KGV (engl. Cyclically Adjusted P/E ratio: CAPE) bezieht den durchschnittlichen Gewinn der vergangenen 10 Jahre auf das aktuelle Kursniveau. Der aktuelle Wert von 39 befindet sich übrigens nahe am Allzeithoch der Dot-com-Blase. Wobei sich dieser Wert dann relativiert, wenn man das heute deutlich niedrigere Zinsniveau berücksichtigt. Das aktuelle 1-Jahres KGV liegt für den S&P 500 übrigens „nur“ bei 29.

Zusammengenommen bedeuten diese Informationen zweierlei:

  1. Wegen des geringen Zinsniveaus sind aktuelle Aktienmarktbewertungen nicht vergleichbar mit Zeiten deutlich höherer Zinsen und können daher gerechtfertigt sein
  2. Die Aktienmarktbewertung kann sich bei anziehender Inflation durch ebenfalls anziehende Zinsen schnell nach unten ändern. Die Sensitivität ist bei hoher Bewertung und gerigem Ausgangs-Zinsniveau besonders hoch.

Conclusio: Aktien und ETF sind kurz- und mittelfristig nicht als Inflationsschutz geeignet, da das vorherrschende Thema für diesen Fall einen Umbewertung des Aktienmarktes nach sein dürfte.

Die lange Frist

Obige Betrachtung mag für manche enttäuschend sein, sie ist uns allerdings altbekannt. Schließlich wissen wir, dass wir kurzfristig mit starken Schwankungen an der Börse leben müssen und wir wissen ebenso, dass sich die Bewertungen nicht in alle Ewigkeit steigern werden.

Für die lange Frist muss uns das allerdings nicht zu sehr stören. Hier treten Bewertungsveränderungen z.B. durch Zinsänderung in den Hintergrund und die Gewinne, sowie deren Wachstum treten in den Vordergrund, sodass sich langfristig der exponentielle Charakter der Aktienmärkte nicht aufhalten lässt.

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Trotz diverser Krisen und Umbewertungen konnte der S&P 500 langfristig immer weitere Hochs erklimmen und Investoren mit üppigen Renditen erfreuen. Jeremy Siegel beschreibt in seinem Buch „Aktien für die Ewigkeit“ (hier zur Rezension), dass über lange Zeiträume die reale Rendite von Aktien ziemlich konstant bei etwa 6,8 % liegt. Damit schafft man langfristig also mit Aktien nicht nur einen Kaufkrafterhalt, sondern verdient noch ordentlich dazu.

Fazit

Aktien sind und bleiben ein langfristiger Vermögenswert und bieten nur auf lange Sicht verlässliche Renditen. Wer kurzfristig sein Geld vor Inflation schützen möchte ist bei Aktien und ETF an der falschen Adresse, obwohl wir es dabei mit Sachwerten zu tun haben.

Was bleibt sind andere Sachwert, wie z. B. Gold und andere Edelmetalle. Diese bieten den Vorteil, dass sich relativ unabhängig vom Aktienmarkt entwickeln. In nachfolgender Grafik erkennt man, dass der Goldpreis die letzten Jahrzehnte relativ unberührt von den großen Aktiencrashs blieb und oft sogar eher zugelegt hat:

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Nichtsdestotrotz erkennt man auch hier sachwerttypisch starke Schwankungen und muss mit einer zeitweisen Halbierung des Investments leben können. Außerdem ist Gold ein nichtproduktives Asset und daher verwundert es nicht, dass die reale Rendite über lange Zeiträume deutlich geringer ist als die von Aktien.


Tags

ETF, Gold, Inflation, Investieren, Kaufkraft, Vermögen, Zinsen


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